Sternenstaub ist grau

Gernot und ich lagen nackt nebeneinander im Bett, denn wir haben mal wieder übers Universum diskutiert.

Gernot und ich lagen nackt nebeneinander im Bett, denn wir haben mal wieder übers Universum diskutiert. Dunkle Materie gibt es nicht, die Messergebnisse widersprechen sich, informierte Gernot mich. Ich hatte davon natürlich auch schon gehört. Aber was ist es dann, was die Gestirne in der Luft, also im Vakuum auf ihren Umlaufbahnen hält? fragte Gernot. Warum fällt nicht einfach alles runter? Ich antwortete: Aber worauf denn? Aber wohin denn? Das Universum ist doch nicht auf eine Legoplatte gebaut. Nein, das nicht, aber der Raum ist gekrümmt, also das Universum liegt auf was Unsichtbarem, also es beult so eine Art Tuch aus, meinte Gernot, aber ich weiß nicht, ob ich ihn an der Stelle richtig verstanden habe. Ist doch ganz einfach, Gernot, meinte ich und klopfte auf ein Brett meines Bücherregals. So ist es nun mal. Sieh dir doch nur mal dieses Regal an: Das sieht ja nur für uns Menschen und mit Abstand wie ein Bücherregal aus. Aber wenn du ganz ganz ganz klein wärst und ganz ganz ganz nahe rangehen würdest, dann wäre das kein Regal sondern  eine Wolke aus Protonen und Elektronen und anderem Kram. Das kreist alles auf seinen Orbitalen und Umlaufbahnen herum und fällt auch nicht herunter, sonst würde da doch kein Bücherregal stehen. Und wenn du ein kleines Teilchen wärst, dann könntest du einfach durchfliegen und würdest nicht mal merken, dass du gerade durch ein Bücherregal schießt. Apropos Geschwindigkeit, sagte Gernot, wie kann es sein, dass sich das Universum schneller als das Licht ausbreitet, also wie kann es denn sozusagen mitten in der Ausbreitung beschleunigen? Vielleicht stimmt das ja nicht, sagte ich, also vielleicht nimmt die Lichtgeschwindigkeit an den Universumsrändern ab und wir Menschen wissen das nur nicht, weil wirs nicht messen können. Quatsch, die Lichtgeschwindigkeit ist eine Naturkonstante, sagte Gernot, die ist überall gleich, im gesamten Universum, jedenfalls im Vakuum.

Haha, klar! im Vakuum! lachte ich. Im Vakuum ist immer alles gleich, aber schon unter Wasser ist das Licht langsamer und wer weiß, was für eine Substanz sich an den Universumsrändern befindet und dort das Licht ausbremst. Außerdem wenn Zeit und Raum relativ sind, warum denn dann nicht auch das Licht?

Gernot verwies genervt auf das Michelson- Morley- Experiment und auf Einstein.

Ja, weil wir die Lichtgeschwindigkeit mit unseren menschlichen Messgeräten gemessen haben, sagte ich. (Ich konnte einfach nicht damit aufhören, ihn zu ärgern) Und ob die Messung nicht eher etwas über das Messgerät und den Messenden aussagen würde, als über das Gemessene. Das Messgut könne sich doch während der Messung den Erwartungen entsprechend verhalten, um direkt danach, im unbeobachteten Zustand, zu machen was es wollte, ohne in irgendeiner Form Rücksicht auf die Gefühle des Messenden zu nehmen. Wie der Mensch denn glauben könne, er sei imstande, eine universale Objektivität herzustellen?

Die Sonne drehe sich aber leider nicht um die Erde, das sollten die Leute doch inzwischen kapiert haben. 

Gernot winkte ab: Das Licht bewege sich, wie gesagt, wie bewiesen und absolut feststehend, überall gleichschnell, so sei es eben und es sei eben so.

Wie man das denn sagen könne, hakte ich nach, die menschlichen Messgeräte seien an menschliche Maße angepasst. Ein Tag ist für Menschen 24 Stunden lang, also eine Umdrehung der Erde um sich selbst. Ein Jahr dauert 365 Tage, also einmal um die Sonne rum und daraus würden sich dann eben die Sekunden ableiten. Die es woanders aber so gar nicht gäbe.  Also, auf einem anderen bewohnten Planeten zum Beispiel, der viel größer oder kleiner wäre, also viel längere, oder viel kürzere Tage hätte und eine andere Umlaufbahn um die Sonne, da würde doch eine menschliche Uhr gar nicht funktionieren. 

Für die Wesen dort, könne ein Jahr drei Jahre dauern und sie würden dementsprechend, ganz andere Sekunden haben und ganz andere Schlafrhythmen und Lebenserwartungen und Lichtgeschwindigkeiten. 

Eine Sekunde ist überall eine Sekunde, knurrte Gernot, nur halt anders umgerechnet. 

Na gut, aber trotzdem, sagte ich und ärgerte mich über Gernot und die relative Zeit und den gekrümmten Raum und das konstante Licht. 

Es wird Zeit, dass mal wieder was fundamental in Frage gestellt wird, sonst ist mir das Universum einfach zu langweilig, dachte ich und drehte mich von Gernot weg. 

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