Sich identifizieren mit Vampiren (Schreibkreis Nordost Treffen VII)

Wir wollten was Triviales schreiben. Über Vampirlesben. Zwei hatten sich daran gehalten und entsprechende Texte verfasst, nur ich hatte einen alten Text von 2008 (!) eingereicht, weil ich in den letzten drei Wochen nichts Vorzeigbares und nichts nicht Vorzeigbares, also gar nichts zustande gebracht habe. E. hatte ihren Text unter Alkoholeinfluss geschrieben, was man ihm aber nicht anmerkte und sie äußerte die Befürchtung Alkoholikerin werden zu müssen, wenn sie Schriftstellerin werden wollte. Wir konnten ihr diese Angst nicht nehmen. Das einzige was gegen Schreibhemmung hilft, ist Drogenkonsum, oder sowieso viel zu schreiben, oder alte Texte auf der Festplatte zu haben und deswegen keine neuen schreiben zu müssen.

Eigentlich ist Trivialgeschichten schreiben gut, denn da sehen immer alle gut aus und es gibt immer ein Happy End. Außerdem darf man Leidenschaften und Gefühle beschreiben, ohne originelle Formulierungen zu benutzen, oder sich sonstwie Mühe zu geben. Einfach alles rauslassen, dem Gefühl folgen, aus dem Bauch raus go with the flow. Es muss kribbeln!

Das Besprechen der Texte war schwierig, denn wenn wir etwas gut fanden, dann war es nicht trivial und alles was nicht so gut war, ließ sich damit entschuldigen, dass es ja trivial sein sollte.

Alle drei Texte enthielten zu viel Realismus um wirklich trivial zu sein, eigentlich soll man ja beim Trivialromane lesen in eine Traumwelt entführt werden und nicht an seinen Alltag erinnert werden.

Dann tauschten wir aus, was wir über Vampire wissen.

Es stellte sich heraus, dass das Beißen eine Metapher für Sex ist und dass sich Pubertierende wie Vampire fühlen. Einsam und unsterblich.

Eigentlich gibt es nicht Trivial oder Nichttrivial, es gibt nur gute oder schlechte Geschichten. Man kann sogar mit schlechter Sprache gute Geschichten erzählen und das ist immer noch besser als umgekehrt.

Ich habe in letzter Zeit versucht, drei neuerschienene deutsche Romane zu lesen und es fiel mir nicht leicht, weil sie überhaupt keine Handlung hatten. Es waren nur aneinander gereihte Situationen, dazwischen noch ein bißchen Vergangenheit und Philosophie.

Man fragt sich die ganze Zeit, worum es geht und man liest eigentlich nur weiter, weil man es endlich wissen will. Dann ist man irgendwann auf Seite 120 und weiß es immer noch nicht. Oder man bekommt langsam eine blasse Ahnung und denkt, ok, ja, das Leben ist kompliziert, aber muss man einen Roman darüber schreiben?

 

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Published on: Juni 30, 2015

Filed Under: Metatext, Schreibkreis Nordost

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