Shisha, Döner, Späti

(Erschienen in der „Berliner Zeitung“ am Freitag, 30.08.2019)

“Der Wedding kommt” heißt es ja schon seit etlichen Jahren. Tatsächlich sind schon ein paar Freunde dorthin gezogen und der ein oder andere Künstler aus dem Bekanntenkreis hat sein Atelier dort. Da es aber so schwer ist, vom Prenzlauer Berg in den Wedding zu kommen, beziehungsweise den goldenen Berg überhaupt in Richtung Norden oder Osten zu verlassen, werden die Freunde dort natürlich nicht besucht. Mittlerweile soll es dort ganz gute Bars geben, hat man der Autorin erzählt. Sie wird nie erfahren, ob es stimmt. 

Neulich war es fast soweit: 

Ein befreundeter Maler hatte im Wedding eine Ausstellung. Sie hatte sich ganz fest vorgenommen hinzugehen, aber dann wollten die anderen alle doch lieber alle nach Mitte und so wurde es wieder nichts mit dem Ausflug in den Wedding. 

Aber sie muss auch nicht dorthin. Sie weiß ja: Die Sache mit dem Wedding ist nur eine Affäre und nichts von Dauer. Die “Uferhallen” zum Beispiel, sind an die Samwer- Brüder verkauft, die Zukunft der dortigen Künstler ist ungewiss. Bis Ende 2019 sind die Mietverträge sicher, danach soll dort gebaut werden. 

Für andere neu zugezogene Gentrifizierer hingegen,  ist der Wedding nur die Vorstufe vor dem Umzug ins Umland. 

Ja, das Leben im Wedding ist schön, erzählen ihr die Freunde am Telefon, aber man überlegt jetzt doch, ein Haus in Karow zu mieten, oder nach Biesenthal zu gehen. 

Der Wedding kommt also nicht, der Wedding bleibt. Denn der Wedding bleibt der Wedding. 

Die Karawane der Kosmopoliten winkt ab und zieht weiter. 

Das ist gut so. Der Wedding wird den Alteingesessenen nicht weggenommen. 

Der Wedding kommt aber doch. Und zwar zur Autorin, in den Prenzlauer Berg. 

Ausgehend von der Kreuzung Schönhauser Allee/ Danziger Straße wird die Gentrifizierung hier peu á peu rückgängig gemacht. Schon vor geraumer Zeit wich das hippe Café “Manolo”, einst Treffpunkt der Laptop- Nutzer und Latte- Macchiato- Trinker, der immer gut besuchten Halal Schnellhähnchenbraterei “Risa- Chicken”.

Des Weiteren haben im näheren Umkreis der Kreuzung mittlerweile drei Shisha- Bars eröffnet.

Dazu kommen wöchentlich neue Dönerläden, Spätis, Friseure und Spielhallen. 

Da jetzt dank Mietendeckel, auch die Wohnungsmieten wieder sinken, ist die Entwicklung erfreulich zu nennen. 

Denn was rufen die ausgehungerten Portemonnaies der alteingesessenen Prenzlauer Berger dem Wedding zu? Komm!

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