Schwertfischrouladen

Hey Kids, ja es ist heiß da draußen. Man sollte an einen See fahren. Man sollte zu Hause bleiben und bis 16 Uhr schlafen und sich dann an den Rechner setzen und einen Roman schreiben.

Ich bin erst heute früh um sieben eingeschlafen.  Ich habe geträumt, dass ich in einem Glashaus mit sehr vielen Türen wohne und das war ein Problem, denn ich hatte einen Exfreund, der hatte noch einen Schlüssel und wollte nicht gehen und eine Exfreundin, die liebte mich auch noch so sehr. Wenn ich sie aus einer Tür rausschob, kam er zur anderen wieder rein. Die Exfreundin war gleichzeitig auch meine Putzfrau, aber sie putzte nicht, sie lief mir nur immer hinterher. Schließlich ist es mir gelungen, ihn in ein Taxi nach irgendwo zu setzen und sie von der Polizei abholen zu lassen, aber dann erschien die Ex von meinem Ex, sie wollte nur mal sehen, wo er so lange war und wer ich bin und warum er von mir nicht lassen wollte und dann bin ich sie auch nicht mehr losgeworden, bis ich erwachte.

Wie komme ich bloß auf sowas, das hat doch nichts mit meinem wahren Leben zu tun. In meinem wahren Leben bin ich allein zu Hause, weil ich gesagt habe, ich muss jetzt meinen Roman fertig schreiben und in Wirklichkeit hänge ich rum und trinke Bier und gehe aus und gucke Mediathek.

Wenn ich trotzdem meinen Roman fertig kriege und den verkauft bekomme, dann bekommt er ein rosa Cover, weil ich eine Frau bin. Auf der Innenseite des Covers ist dann ein ganz hässliches Autorenfoto von mir, das Einzige was überhaupt irgendwie ging, nachdem man 20000 Fotos von mir gemacht hat. Auf allen sehe ich dumm aus und am dümmsten auf dem, was auf dem Innencover meines rosa Romans abgedruckt werden wird.

Ich bin seit zweieinhalb Wochen allein zu Haus, weil ich den rosa Roman schreiben muss. Ich kann nachts nicht mehr schlafen, weil ich mich allein in der dunklen Wohnung so grusele, oder weil ich mich nicht ins Bett legen will, weil ich gar nicht müde bin.

Ich gehe nachts extra nicht mehr aus, weil ich dann den ganzen Tag verschlafe, anstatt an meinem Roman zu arbeiten, aber wenn ich nicht ausgehe, verschlafe ich auch den ganzen Tag, anstatt an meinem Roman zu arbeiten. Dafür gucke nachts Dokus in der Mediathek.

Gestern eine über Süditalien und da musste ich weinen, weil es da so schön ist und ich werde nie genug Geld haben um da mal hinzufahren, weil ich ja meinen Roman nicht fertig bekomme.

In Süditalien machen die Menschen alles gut und richtig. Sie essen die guten Sachen, machen die guten Sachen und leben am Mittelmeer. Es ist immer warm und sie sprechen italienisch. Da gab es eine Frau, die kaufte morgens Schwertfisch in dünnen Scheiben, um daraus Schwertfischrouladen zu machen. Ihr Leben hat Sinn. Da gab es Rocco, der baut die Strandliegen auf und fotografiert jeden Abend den Sonnenuntergang und jeder ist anders schön und sein Leben hat Sinn. Und da gab es die Bauern, die eine Art Wellnessfarm für Büffel haben und die unendlich guten Büffelmozzarella machen und ihr Leben hat Sinn. Es gab einen Mann der baut Musikinstrumente und einer baute rote Zwiebeln an und einer schnitzte Pfeifen und alles was sie machten, war gut und besonders und schön und bekommt bestimmt kein rosa Cover. Man soll nachts auch nicht allein zu Hause sein, Bier trinken und Dokus gucken. Man soll in Süditalien sein und rote Zwiebeln in die Sonne legen und nachmittags Schwertfischrouladen essen und abends den Sonnenuntergang fotografieren, Pfeife rauchen und ein Jazzkonzert unter freiem Himmel hören und dann noch mal schwimmen gehen und morgens einen Büffel massieren, oder?

Aber eigentlich bin ich ja genau so wie die Süditaliener. Ich stehe auf, trinke erst mal einen selbst gemahlenen Fair Trade Arabica Kaffee. Esse dazu feinstes Roggenbrot mit irischer Butter und Walderdbeermarmelade. Dann wasche ich mich mit dem reinen Berliner Leitungswasser und benutze biologisches Duschgel mit leichtem griechischen Pfirsichduft. Dann bekleide ich mich mit einer Unterhose ohne Nähte, erworben in einem französischen Bekleidungskaufhaus, sowie einem schwarzen SpitzenBH aus einer italienischen Manufaktur. Dann begebe ich mich an eine höchst sorgsam hergestellte blitzschnelle elektronische Maschine, welches von Chinesen in liebevoller Handarbeit zusammengelötet wurde. Dort setze ich nun die allerbesten Worte zusammen, welche ich bereits seit Tagen angesammelt habe, in einem Notizbuch mit schwarzem Schweinsledereinband. Außerdem kann ich im Wohnzimmer rauchen, weil die Kinder nicht da sind, und das ist das Beste überhaupt.

So ungefähr.

Ich rauche, um einen Roman zu schreiben, der dann ein rosa Cover bekommt. Damit will ich Geld verdienen und dann von dem Geld nach Süditalien fahren und den Sonnenuntergang fotografieren.

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Published on: Juli 31, 2017

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