Text

Schlüssel des Glücks

“Was willst du denn, du hast doch alles!” (Ruth Herzberg)

„Beginne jeden Text mit einem Zitat.“ (Johann Wolfgang Goethe)

Ich bin so glücklich. Ich muss Poppers nehmen zum Runterkommen. Ich habe keine Angst mehr vor Mörderchen, Diebchen, und anderen bösen Menschlein. Sowieso keine Angst mehr.

Schuldgefühle habe ich auch nicht mehr. Hatte bis letzte Woche immer Schuldgefühle wegen meiner eigenen Mörder- und Diebereien. Aber jetzt: Schuld und Angst: Alles weg. Denn: Ich habe einfach mal in Ruhe nachgedacht und festgestellt, dass alles ok ist, was man tut, wenn man keine Schuld und keine Angst dabei empfindet. Seitdem gehts mir fantastisch.

Ich bin auf einer Vernissage, wegen dem Maler, aber der Maler ist nicht da, dafür ist ein anderer Maler da. Macht nichts. Maler ist Maler. Ich mag Maler. Maler können so heiß sein, wegen ihrer Pinselchen. Die Chrysanthemen blühen im Galeriengarten. Wir schreiten nebeneinander einher, reden über Kunst, trinken Crémant und achten sorgfältig darauf, jedes der kleinen Frühlingsblümchen auf der Wiese zu zertreten. Es ist eine der ersten lauwarmen Nächte und es scheint, als hätte es den Winter nie gegeben. Wir leben den Traum. Ein Mann, eine Frau, Sprudelalk, Kunst und eine Sommernacht. Millionen Menschen wollen so ein Leben wie wir führen, sage ich und bewahre den Maler vor dem Selbstmord.

Aaah, da steht schon das Taxi, ich muss fort, ich muss fort, ich stehe auf der Gästeliste im Club of Rome.

Club of Rome. Ich tanze. Der Boden unter meinen Füßen fühlt sich weich an, dabei ist er aus Holz. Die Musik ist so gut, denn sie geht immer weiter. Der Boden ist weich und ich bin weich und wir werden alle sterben, vom Club of Rome wird nichts übrig bleiben, von den Chrysanthemen und den Taxis wird nichts übrig bleiben, von mir wird nichts übrig bleiben, von dir wird nichts übrig bleiben. Der Holzboden und ich und die Taxis und die Chrysanthemen und du und alle anderen, wir werden in einer Wolke aus Protonen und Elektronen zusammen schweben und eigentlich tun wir das doch schon jetzt. Wir schweben alle zusammen rum, wir sind alle gleich. Wir sind Materie und Bewusstsein und es gibt keine Unterschiede und es ist alles eins.

Irgendwie kommuniziere ich gerade mit dem Boden und es ist ein echt gutes Gespräch. Der Boden und ich tauschen Telefonnummern aus. Irgendwann wollen wir mal zusammen Schach spielen und einen Tagesausflug nach Danzig machen. Wenns nie passiert, ist es auch nicht schlimm. Wenn ich jemandem was verspreche, heißt das nicht, dass ichs auch halten werde, sondern nur, dass ich da im Moment theoretisch Bock drauf habe. Merkt euch das.

Dann wird es hell und ich sitze im Backstage des Club of Rome auf der Dachterrasse in der Sonne. Der CEO des Online Versandes für griechische Delikatessen und der Geschäftsführer der unabhängigen kleinen Pharmafirma und ich schmusen miteinander rum und wir bilden ein Clubsandwich. Ich  bin so glücklich. Ich glaube an den fröhlichen Ursprung, ich kenne die Wahrheit im Finstern. Es wiegte die Nacht mich im Dunkel, dass dem Tage die Blumen ich zeigte.

Es ist so unfassbar angenehm, wenn einen überall Hände berühren.

“Ich such grad nichts Festes.” sagt der Pharmamann. “Dann solltest du mal meine Oberschenkel anfassen.” sage ich. Wir lachen uns tot.

Das Leben kann so schön sein. Wir sind wie der Islam. Wir bedeuten Frieden. Wir gehören nicht zu Deutschland.

Ich bin so glücklich. Ich muss Poppers nehmen zum Runterkommen.

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