Rückkehr nach Montauk

Am Mittwoch hatte der dritte deutsche Wettbewerbsbeitrag Premiere. “Rückkehr nach Montauk” von Volker Schlöndorff. Schlöndorff macht jetzt einen auf Wim Wenders. Also: Amerika, Nina Hoss, die ja tatsächlich der Nastassja Kinski aus “Paris Texas” ähnelt, und ein alter Mann mit einem Gesicht wie ein Knie, Stellån Skarsgard. Sie sprechen natürlich Englisch miteinander, vielleicht weil Max Frisch, nach dessen Novelle “Montauk” der Film geschrieben wurde, ein amerikanischer Schriftsteller ist. Oder weil Nina Hoss nicht so gut deutsch kann. Ich will auch mal so einen Film machen, auf Englisch, an schönen Orten, mit so einem durchgehenden Soundteppich aus klassischer Musik. Und wenn keine Musik, dann Wind und Wellengeräusche. Wir alten Männer lieben ja die Natur und die klassische Musik. Klassische Musik ist gebändigte Weiblichkeit. Kurvig und anspruchsvoll. Wie langes blondes Haar, gewunden zu einer Flechtfrisur, oder noch besser, erst Flechtfrisur, dann gelöste Flechtfrisur, also wie das Haar von Nina Hoss in Montauk. Wunderschönes Haar. Klassische Musik hören, das ist wie auf sein Leben zurückschauen. Mit einem Seufzer in den Garten hinausblicken, wo die Apfelbäume blühen. Auf die festen Beine der polnischen Putzfrau glotzen und sich eine Romanze herbeifantasieren, am besten gleich noch einen Roman drüber schreiben, so wie Philipp Roth, oder wenigstens wie Martin Walser. Ein Roman über das zwiespältige Aufeinandertreffen einer geheimnisvollen Fremden und einem alternden Professor, der (natürlich gegen seinen Willen) in eine letzte hoffnungslose Leidenschaft hineingezogen wird. Und dann ist da noch Helga, seine Frau, eine Architektin (sie baut Schulen in Mali), die ihn mit Vorwürfen verfolgt und sein Sohn, ein drogensüchtiger schwäbischer Schauspieler in Berlin und seine Tochter, die lebensuntüchtige lesbische Lateinlehrerin. Und das alles ist ein Sittenbild einer Epoche im Spiegel einer Gegenwart. Zurück nach Montauk. Montoook gesprochen, nicht Montag. Der Film ist wie gesagt, komplett auf Englisch. Stellån und Nina sprechen Englisch miteinander, Englisch mit deutschen Untertiteln. Das ist schon ein bisschen pubertär oder? Wie eine deutsche Schülerband, die Songs mit englischen Texten schreibt, weil die irgendwie bedeutsamer und gleichzeitig weniger peinlich klingen (sollen). Aber es wäre sicherlich ungerecht, Schlöndorff Banalität unterstellen zu wollen, wo es doch hier um die ganz großen Dinge geht. Persönliche Bekanntschaft mit Max Frisch, eigenes Leben, schmerzhafte Erinnerung an das unwiderbringlich Verlorene und Versäumte, eine schöne Frau und noch eine schöne Frau,  Einsamkeit und Liebesunfähigkeit des genialen Künstlers. Man will schreien und alles kaputt machen und dass Nina Stellån einen bläst und dass er sie von hinten nimmt und dann sie ihn, mit dem Umschnalldildo und dass sie sich die ganze Melodramatik und Hochkultur einfach wegficken. Ficken Bumsen Blasen Ficken. Nach Montauk zurückkehren und sehnsüchtig ins Meer pissen. Und dann Nina Hoss den goldenen Bären geben. (In den Arsch schieben.)

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Published on: Februar 16, 2017

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