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Promiflash

Ähnlich wie Putzen, Kochen, Klamotten oder Kinder, ist Vergewaltigung ja auch so ein typisches Frauenthema. Wohl deswegen sind nur wenige Männer bei der Demo zum Prozess gegen Gina- Lisa Lohfink vor dem Amtsgericht Turmstraße erschienen.

Wie eng ist mein Rock, wie sehen meine Fingernägel aus, das ist jetzt an dieser Stelle wichtig zu erwähnen. Überhaupt Kleidung und Attraktivitätsgrad aller anwesenden Frauen. Ist schließlich eine Vergewaltigungsdemo. Irgendwie fühlt man sich da verpflichtet, zu beweisen, dass man für eine Vergewaltigung potentiell in Frage käme. 

Nachdem ich mir einen großen Cappuccino geholt habe und ein paar Reden gehört habe, ist mir schlecht. Die Vergewaltigungsstories sind unappetitlich, das deutsche Sexualrecht ist unappetitlich und warum wird das erst jetzt bekämpft ? Als auf der Demo publik wird, dass es Störer in der Gerichtsverhandlung gibt: Einen, der sich entblößt und einen, der ruft, dass er den Film geil fand, eilen mehrere Demo- Teilnehmerinnen ins Gerichtsgebäude. Ich will auch, aber ein bißchen zu spät und darf nicht mehr rein. Ich sei Veranstaltungsteilnehmerin, sagt die Polizistin. Ich bin als Veranstaltungsteilnehmerin also nicht mehr als normale Bürgerin zu bewerten, das heißt, als Veranstaltungsteilnehmerin darf ich ein deutsches Gericht nicht betreten. Eine Viertelstunde später gehe ich doch hinein. Anderer Weg, andere Polizisten. Mir ist ja auch klar, dass sie im Gericht keinen Tumult wollen und nicht lauter aufgebrachte Demoteilnehmer reinlassen wollen. Während sie andererseits aber die eigentlichen Störer nicht aus der Verhandlung entfernen möchten. Am Einlass wühlen die Gerichtsbeamten minutenlang in meiner Tasche, bis sie zwei Eddings und ein Set mit Imbusschlüsseln beschlagnahmt haben. Ich stelle ab jetzt keine Gefahr mehr für Gina Lisa dar und kann weiter. Atemberaubend schön ist es im Amtsgericht Tiergarten. Labyrinthische Treppen, Obelisken, eine große Uhr, sich verzweigende Gänge. Auf dem Gang vor dem Verhandlungssaal stehen alle die, die nicht reinpassen, denn die Verhandlung ist öffentlich, aber der Saal ist voll, dazu gibt es eine rot- weiße Absperrung, Polizisten und jede Menge Fernsehteams. Wieder alles Männer. Aus Langeweile halten sie ab und zu auf die auf dem Gang hockenden Frauen drauf. Nach einer Weile öffnet sich die Tür, Frau Lohfink kommt raus, Sonnenbrille, verweint und die Kamerateams filmen, filmen, filmen. „Nein heißt Nein“ und „Du bist nicht allein“ rufen wir anderen und werden auch wieder gefilmt. Männer wollen eben gern filmen und senden. Aber sie machen das für uns. Der eine hat ein knallpinkes Mikro in der Arschtasche: Promiflash steht drauf. Gossip, Sex and Crime fürs weibliche Publikum. Promiflash. Ich treffe eine Bekannte. Jung, schlank und hochhackig. Ein schmerbäuchiger Fotograf um die 50, kommt auf sie zu und fragt, ob sie auch bei der Fashionweek unterwegs wäre. Er würde ja sonst nie Gerichtsfotografie machen, nur heute. Sonst Fashion. Nur Ann Kathrin Kramer, die hatte in den 90ern mal eine Steuersache, da wär er auch dabei gewesen. Aber eigentlich mache er wie gesagt, Fashion. Thomas Sabo, Lala Berlin. Heute eben Gina Lisa. Das ist ja die perfekte Verbindung, sagt sie. Erst als er sich verzogen hat, komme ich drauf, dass sie ihm hätte sagen können, dass er echt gut aussieht und ob er sich vorstellen könnte, mal für Hugo Boss zu modeln.
Ich interessiere mich für Mode, Diät, Sport und Schmuck und ich rate allen Frauen, das auch zu tun und außerdem abends zu Hause zu bleiben und keinen Alkohol zu trinken. Damit sie nicht später mal Schadenersatz bezahlen müssen.

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