Pappwaffeln, warum???

Ich verstehe nicht, warum die Kinder und ich unser Eis immer nur aus Pappwaffeln essen sollen, bloß weil wir eben nur eine Kugel haben dürfen. Also sage ich den Verkäufern beim Eis kaufen vorher, dass ich meine Kugel in einer guten Waffel haben will. Wenn sie dafür extra Geld haben wollen, dann sage ich, dass ich zwei Kugeln möchte. Wenn dann die erste Kugel in der guten Waffel ist, sage ich, dass ich jetzt doch nur eine Kugel haben will. Wenn sie dann wieder extra Geld dafür wollen, dann sage ich, dass ich nun gar kein Eis mehr will und gehe.

Warum gibt es Pappwaffeln überhaupt? Wenn man unbedingt Eis in Pappwaffeln verkaufen möchte, dann könnte man doch den Leuten, die Pappwaffeln wollen, Rabatt geben. Aber wem erzähl ich das. Ihr wisst alle, dass ich die verrückte Partymaus bin. Ich meine, wenn man meine Texte liest und sich meine Selfies anguckt und wenn man meine Instagram Posts sieht und meine Twitter Tweets, dann ist ja sowieso alles klar. Und wer kümmert sich bei meinem wilden Leben eigentlich um die Kinder? Mein Mann! Er macht alles allein. Er steht früh auf und bringt sie zur Schule. Dann geht er einkaufen, wäscht die Wäsche, putzt die Küche, räumt die Spülmaschine ein. In der Zeit schlafe ich meinen Rausch aus. Gegen 14 Uhr stehe ich dann auf, aber nur, weil ich dringend aufs Klo muss. Mein Mann hört die Klospülung und weiß, es ist Zeit mir meinen Kaffee zu kochen. Mir gehts wirklich schlecht, ich habe Kopfweh und Paranoia, Schweißausbrüche und Herzrasen. Ich trinke den Kaffee, er schmeckt wirklich gut und dann muss ich mich wieder hinlegen. Dann stehe ich auf, weil um 16 Uhr 30 der Wecker klingelt, ziehe mich an und habe schlechte Laune. Mein Mann kann ganz gut damit umgehen, er weiß ja, dass ich gestern Abend wieder besoffen durch die Gegend gefallen bin und dass meine schlechte Laune nichts mit ihm zu tun hat. Jedenfalls, dann hole ich die Kinder. Auf den letzten Drücker. Meine Laune hellt sich auf. Wir gurken noch so ein bisschen auf Spielplätzen rum und wenn mir langweilig wird, sehe ich auf meinem Handy nach, was in der Welt so abgeht. Das stört meine Kinder manchmal, weil sie ja nicht mit mir reden können, wenn ich die ganze Zeit auf mein Handy gucke. Weil ich mich dann nicht auf sie konzentrieren kann und ihnen aufmerksam zuhören kann. Aber ihr hört mir auch nie zu, sage ich dann. Vor allem hört ihr nicht auf mich. Wenn sie sich eine Strickjacke anziehen sollen oder Hände waschen oder ihr Zimmer aufräumen, oder Hausaufgaben machen, dann machen die das einfach nicht. Außerdem, erkläre ich meinen Kindern, ist es gut für sie, wenn ich so viel aufs Handy gucke. Weil sie dann länger auf dem Spielplatz bleiben können. Ich sitze da und sehe aufs Handy und merke gar nicht, wie die Zeit vergeht. In der Zeit können sie in Ruhe spielen. Ich kann meine Kinder auch ganz lange auf der Schaukel anschubsen. Weil ich mein Handy dabei habe! Mir wird die Anschubserei nicht langweilig! So verbringen wir einen schönen Nachmittag und dann gehen wir Eis essen und wenden den Trick an, den ich vorhin schon erklärt habe. Wir kommen spät nach Hause, wir gehen als Letzte vom Spielplatz. Wie immer. Ich gehe ja immer als Letzte. Aus Kneipen muss man mich raustragen, aus Clubs ebenso. Ich kann kein Ende finden. Wir gehen erst nach Hause, wenn es dämmert und dann sammeln wir noch alle Buddelförmchen ein, die die anderen Kinder vergessen haben. Die Buddelförmchen sehen neuerdings auch alle aus wie Eiswaffeln. Wir haben schon mehr als 20 von den Dingern gesammelt. Zu Hause hat mein Mann schon Essen gekocht, aber das schmeckt uns nicht, weil er nicht kochen kann, aber er muss ja kochen, weil ich immer zu breit bin, zum Kochen. Aber das macht nichts, wir haben keinen Hunger, weil wir ja schon Eis gegessen haben. Dann ist es schon halb elf und die Kinder hören wieder nicht und wollen nicht ins Bett gehen. Aber das macht nichts, dann sind sie eben am nächsten Morgen müde, so ist das Leben.

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Published on: Juli 17, 2017

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