• Die Heuchelei der Mittelklasse

    Er kam zu spät, wie immer. Pierre kann nicht planen, deshalb muss ich ihn auch immer so antreiben. Als er kam, saß Ella schon am Tisch und freute sich aufs Essen. Dabei war eigentlich verabredet, dass er sie VOR dem Essen bei Ben und Ilka abholen sollte. Unsere Tochter Ella hatte dort den Tag verbracht, um mit ihrer Freundin Liora zu spielen.

    Ilka war kühl und schaute säuerlich, Ben ließ sich nichts anmerken. Pierre setzte sich zum Warten auf die Treppe, die vom Wohnbereich in die Küche hinunter führt und schaute ihnen beim Spargelessen zu.

    Er sprach dabei mit Ben über Politik und die Ausstellung, in der wir den freien Tag verbracht hatten.

    Sie haben Pierre kein Wasser angeboten und keinen Wein, sie haben ihn da einfach auf der Treppe sitzen lassen und mit ihm geredet und dabei gegessen und er hat ihnen beim Essen zugesehen.
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    Mai 17, 2015 • Text • Views: 649

  • Selbstporträt

    Mir  ist nie zu heiß, so wie dem Gabba- Fan, ganz in schwarz, mit Docs an den Füßen und Cargohose und T- Shirt mit Aufdruck: Anarchy Now, bei 30 Grad auf der Wörther Straße.

    Mir ist nie zu kalt, so wie der Lady ohne Hut und Handschuhe, in High Heels und Nylons auf dem Hausvogteiplatz, im Januar, bei Minus 10.

    Ich bin so außer Atem, wie der Jogger in neongrünen Radlerhosen, der seine Dehnübungen macht, an der kleinen Birke Sredzki-, Ecke Kollwitzstraße.

    Ich bin so klug, wie der Teilnehmer der Podiumsdiskussion, der in ganzen Sätzen spricht, ohne zu stottern und der sich durch keine Frage aus der Ruhe bringen lässt und der ganz gelassen beweist, dass ein Weltuntergang noch kein Weltuntergang ist.

    Ich bin so mutig, wie der kleine Hund, der den großen Hund auf der anderen Straßenseite anbellt.

    Ich bin so hungrig, wie die Dreizehnjährige, die sich in ihrem Zimmer verbarrikadiert, mit sämtlichen Obst- und Gemüsevorräten aus der Küche, welche die Mutter noch vor einer Stunde schweratmend in den vierten Stock ohne Fahrstuhl hinauf schleppte, um endlich abends, wenn die Kinder schlafen, sich in Ruhe vor dem Computer eine Orange schälen zu können.

    Mai 15, 2015 • Text • Views: 619

  • Es wird komplext.

    Es wird hakelig. Krankheit und Terminverschiebungswünsche. Unmut. Aber wir machen weiter. 

    D soll am Dienstag neu zur Gruppe hinzukommen.

    A hat keinen Text und schlägt vor, das Treffen am Dienstag eine Woche zu verschieben.

    B und C wollen das nicht und meinen, man könne auch ohne Text kommen und trotzdem die der anderen mitbesprechen.

    D kann auch eine Woche später, aber nur eventuell.

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    Mai 13, 2015 • Metatext, Schreibkreis Nordost • Views: 433

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