• Die Documenta 14 in Kassel

    Ich habe ja neulich schon über die Documenta in Athen geschrieben und warum man da nicht hinzufahren braucht, also nach Athen auf jeden Fall, aber nicht zur Documenta, und nach Kassel muss man aber unbedingt.
    Denn: Eine argentinische Künstlerin hat auf dem Friedrichsplatz in Kassel den „Parthenon aus verbotenen Büchern“ gebaut, zum Beispiel. Als Zeichen „gegen Zensur“. Ich bin auch gegen Zensur. Und gegen Mord. Mord finde ich echt nicht ok. Aber warum den Parthenon? Warum nicht ein Buch aus verbotenen Büchern? Ach so, wegen des Athen- Bezugs. Und weil sie das gleiche Ding schon 1984 in Argentinien gebaut hat. Eine gute Idee pro Leben sollte ausreichen.
    Und in Athen stehen dann die Kasseler Kaskaden nachgebaut aus was anderem Verbotenen? Beschlagnahmten Drogen?
    Man könnte auch verbotene Bücher aus Streichhölzern nachbauen, oder abgebrannte Streichhölzer aus beschlagnahmten Drogen, oder beschlagnahmte Drogen aus leeren, eingeschmolzenen Drogentütchen.
    Man könnte auch was gegen die Pharmaindustrie machen. Eine Leiche! Also jemand der gestorben ist, weil die Medikamente zu teuer waren, also eine Leiche in Regenbogenfarben, also einen toten afrikanischen Gay, der jetzt tot ist, weil er sich wegen der Pharmaindustrie keine Aidsmedikamente leisten konnte, also ein toter afrikanischer Gay in Regenbogenfarben aus…bunten Pillen!
    Oh Mann, ich sollte auch Künstler werden. Was gibts noch in Kassel? Ein Obelisk auf der in vier Sprachen ein Bibel Zitat steht. „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ also „Kein Mensch ist illegal“ auf türkisch deutsch, englisch und arabisch.
    Ich bin total ergriffen von so viel künstlerischem Mut. Ich könnte mir vorstellen, ein Kunstwerk zu schaffen, auf dem „Atomkraft, nein danke“ auf Farsi, Französisch, weißrussisch und deutsch geschrieben steht. In Form einer…SONNENBLUME. Aus Marmor, der aus Plutonium -Brennstäben gepresst wurde, die aus Salz (Gorleben!) nachgebildet wurden, das aus beschlagnahmten Drogen (illegal!) gemahlen wurde.
    Aber… Ich trau mich einfach nicht.

    Juni 17, 2017 • Text • Views: 57

  • Documenta in Athen

    Wir sind radioaktiv. Das heißt, wir müssen allein sein. Wir brauchen 10 Quadratkilometer unbewohntes Gebiet um uns herum, sonst verstrahlen wir alles. Allein an einem Stück Mittelmeer. Man darf keine Häuser sehen, keine Autos hören. Nur ein Schiff am Horizont ist erlaubt. Wir wollen den ganzen Tag nackt sein. Nackt in der Sonne und nackt im Schatten. Nackt im Bett, nackt in der Bucht, nackt im Wasser, nackt auf den Klippen. Nackt lesen, nackt baden, nackt rauchen und nie mehr zurückkommen. Wir scherzen, dass dies der perfekte Ort wäre, um unsere Ehe zu retten und das wir unbedingt bald wiederkommen müssen, um weiter unsere Ehe zu retten und wir lachen über Leute, die ihre Ehe retten müssen. Wir müssen uns aber mit Sonnencreme einschmieren und mit Mückenzeugs und wir müssen ins Flugzeug steigen und durch den Sicherheitscheck und gehören die Cockringe, Poppers, Lecktücher, Dildos, Drogentütchen, Kondome und Handschellen ins Handgepäck oder in den Koffer? Wir dürfen im Flugzeug nicht Bombe sagen, auch wenn wir damit nur die heißen Stewardessen meinen. Wir müssen nach Athen. Wir müssen auf die Akropolis und das/ den (?)Parthenon sehen, meint er. Continue Reading

    Juni 14, 2017 • Text • Views: 65

  • Baden gehen in Brandenburg, aber als kostenloses Strategiespiel

    Es gibt ja nichts Schöneres, als bei 30 Grad zu Hause zu bleiben. Schlafen bis Mittag, die Vorhänge werden nicht aufgemacht. Kühles Halbdunkel, ewige Dämmerung. Und dann am Kaffee Rechner trinken und interessante Musik hören. So verschollene 80er Jahre Sachen, Zenit und Pink Rhythm und Sonya Spence, das gibt so ein New York Feeling.  Sich vorstellen, man bewohne ein Loft mit Saxophon und Synthesizer und Verkehrssound von der Straße und ab und zu ein Schwall Hitze, wenn man zu nah ans Fenster geht. Als Kind war es am schönsten auf dem Landhaus, wenn alle anderen am See waren, aber ich habe im dunklen Wohnzimmer „Unsere kleine Farm“ auf dem Schwarz- Weiß- Fernseher geguckt. Ich wollte dicke Zöpfe wie Laura haben und einen Vater wie Michael Landon. Aber mit Kindern darf man sonntags nicht mehr zu Hause bleiben, weil man ihnen ja eine schöne Kindheit bereiten muss. Wir saßen dann um halb zwei im Auto und sind an den Dramasee gefahren, aber da war es so dermaßen voll, der ganze Acker voller Autos und auf der Liegewiese kein Platz mehr und deswegen wollten wir beim Geheimhaus übern Zaun klettern, aber da war schon Volker, sagte mir Gabi am Telefon und Volker mögen wir nicht, denn Volker ist ein Arsch, also mussten wir weiter. Es soll ja in Brandenburg so viele schöne Seen geben, aber ich trau mich nicht hin, wegen der Hunde. Ich hasse Hunde, die so ins Wasser rennen und bellen und sich schütteln, und die meisten Leute haben kein Problem damit, sondern sogar selber Hunde und das ist das Problem. Wo andere eine Badestelle sehen und einen schönen See, sehe ich Hunde. Wir konnten dann also nicht ins Strandbad und nicht übern Zaun und dann sind wir weitergefahren, auf die andere Seite vom See, wo es einen öffentlichen Steg geben sollte, wir wollten jetzt einfach nur noch kurz ins Wasser, uns war alles egal. Continue Reading

    Mai 29, 2017 • Text • Views: 93

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