Musikkritik

Ich habe mir neulich nacht eine Dokumentation über Bob Dylan angesehen. Die von Martin Scorcese. Danach war ich überzeugt, dass Dylan der größte jemals lebende Musiker ist. Der gleiche Effekt, wie nach der Daft Punk Doku letztens auf Netflix. Daft Punk sind die Genies des Jahrtausends. Die besten Musiker, die je über den Erdboden gestrauchelt sind. Seit der Daft Punk Doku höre ich Random Access Memories jeden Tag in Dauerschleife, bei Dylans Musik ist das aber nicht der Fall. Aber wenigstens am nächsten Tag habe ich ihn mal eingeschaltet, Tambourine Man und Like a Rolling Stone, live- Versionen, musste ihn aber bald wieder leise drehen. Mein Mann lehnt als Franzose englischsprachige Musik komplett ab, außer Prince und Kate Bush lässt er nichts gelten. Ich kann weder Kate Bush noch Prince sehr viel abgewinnen, vielleicht weil ich noch keine Dokus über die beiden gesehen habe. Außer der Sprache prangerte mein Mann noch Dylans Stimme an. Da er ein engstirniger Banause ist, lege ich auf seinen Musikgeschmack nicht sehr viel Wert, höre aus Rücksichtnahme Dylan aber nur noch heimlich nachts über Kopfhörer und bekomme Ohrenschmerzen von der Mundharmonika. Nach der Dylan Doku habe ich noch in eine Leonard Cohen Doku reingeschaut. Allerdings nur bis zu der Stelle, in der er er von einer krass schönen Blondine angemacht wird. Ich kapier nicht, wie er der wiederstehen konnte. Dann war es schon halb fünf und ich musste ins Bett, wegen Weihnachten. Eine Bilanz kann ich trotzdem ziehen: Cohen wirkt viel menschlicher und warmherziger als Dylan, wohingegen Dylan so eine Art Übermensch ist, der manchmal auch ein bißchen arrogant rüberkommt. Dadurch wirkt er so genialisch. Maskiert, ähnlich wie Daft Punk. Ich muss mir auch eine Maske zulegen, dachte ich panisch. Eine Überperson, eine Maske, ich wirke viel zu menschlich, so kann das nicht klappen mit dem Erfolg. Am Nachmittag kam meine Mutter zu Besuch und ich habe ihr von Dylan und Cohen erzählt. Sie hat sich sogar mal Dylan für 100 Euro live angesehen und es war „doll jewesen“ sagte sie, ganz großartig. Im Hintergrund lief Leonard Cohen, schon den ganzen Nachmittag, weil mir Cohen fast nie auf die Nerven geht, auch nicht die Backgroundchöre, weil er so eine schöne brummige Stimme hat und wegen der Melodien und weil er so deep ist und trotzdem eigentlich Schlagermusik macht, mit den ganzen Geigen etc. Ich fragte meine Mutter, ob sie auch Cohen mal live gesehen hätte, hatte sie aber nicht. Sie schaute auf den Computerbildschirm, wo er gerade „Who by fire“ sang. „Da ist er aber schon alt, 75, oder so.“ „Na und?“ „Der ist doch jestorbn!!!“ sagte sie mit plötzlicher Empörung in der Stimme. Ja, stimmt. Da hat sie leider recht.

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Published on: Dezember 22, 2016

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