Montags trug sie immer Burka

Ich war ja neulich nicht so gut drauf und konnte nicht einschlafen. Weil ich aber nicht so sinnlos über meine Sorgen grübeln wollte, habe ich mir ein anderes Thema zum Nachdenken gesucht, nämlich das Burkaverbot. Erst das und dann überhaupt Kopftücher. Mittlerweile wissen wir ja jetzt alle, dass es nicht Burka, sondern Niqab heißt und dann gibt es noch den Hidjab und dann noch irgendwas. Fragen drängen sich auf. Sagen wir mal bei der Light Variante: dem Kopftuch. Wie hat man sich das im Alltag vorzustellen? Hat man da so ein Set verschiedenfarbige Tücher und sucht an sich die dann passend zur Stimmung aus? Ist das dann nicht auch schon wieder zu sexy? Heutzutage ist ja diese Form modern, die so eng am Kopf liegt, wie eine Badekappe und dazu dann noch so eine Art Lätzchen über der Brust. Steht man damit auch vor dem Spiegel und zupft das zurecht? Darf man ohne Kopftuch aus dem Fenster gucken? Also, wenn draußen die Feuerwehr vorbeifährt, oder ein Besoffener rumbrüllt und man ist neugierig und will rausgucken, muss man sich dann erst sein Kopftuch umschnallen? Aber dann ist der interessante Lärm vielleicht schon vorbei. Ja, dann hat das Kopftuch die Frau vor sinnloser Gafferei bewahrt. Ist doch gut. Darf man mit Kopftuch ins Berghain? Also wenn man keinen Alkohol trinkt, nur Speed nimmt und Apfelschorle trinkt? Ich glaube nicht. Aber es muss ja auch nicht jeder ins Berghain gehen können, oder aus dem Fenster gucken.

Es gibt Frauen, die tragen freiwillig Kopftuch. Es gibt Frauen, die tragen freiwillig Burka. Was ich nicht verstehe ist, warum sie das dann nicht freiwillig mal weglassen können. Oder: Es wäre doch was anderes, wenn eine Frau nach Tagesstimmung entscheiden könnte: Heute sehe ich nicht so gut aus, heute hätte ich gern mal mehr Privatsphäre, also ziehe ich heute mal meine schöne grüne Burka an. Aber diese Verhüllerei scheint immer so eine absolute Entscheidung zu sein. Es gibt kein Entweder oder. Eine Burka ist wie ein Tattoo aus Stoff. Du kriegst es nicht mehr weg. Andere Frauen können heute Jeans tragen, morgen einen Rock, sogar einen kurzen und übermorgen einen langen Rock. Und Montags immer Burka, weil man da noch so fertig vom Wochenende ist. Die Montagsburka.

Dass es Frauen mit Burka in Deutschland gibt, sei ein Mythos sagt man. Aber dann ist es doch ok, die zu verbieten. Man verbietet etwas, dass es nicht gibt und alle freuen sich. Andere sagen, man muss gucken, ob die Burka freiwillig getragen wird. Gibt es selbstbewusste fröhliche Burkaträgerinnen, die Youtube Videos drehen und bloggen und auf Konferenzen auftreten und für Verständnis und interkulturellen Dialog werben und was sagen ihre Männer dazu? Und die anderen? Die man zwingt? Erst werden sie gezwungen, eine Burka anzuziehen und dann gezwungen, die Burka auszuziehen. Das ist doch ungerecht. Welcher Zwang gilt denn nun? Aber wer es cool findet, eine Frau zu Hause einzusperren, der braucht dafür kein Burkaverbot, meiner Meinung nach.

Es ist ja momentan leider so, dass aufgrund von schlechtem Marketing, viele Menschen gerade kein so gutes Bild vom Islam haben. Dass eine Burka, oder ein Koptuch, Burkini, Niqab und ähnliches, nicht mehr so gute Assoziationen wecken. Könnten sehr gläubige Menschen, da nicht im Sinne von Goodwill und Understanding mal einen Gang runterfahren und ihren Glauben etwas mehr im Herzen und etwas weniger auf der Haut tragen?

Nur bis sich die Wellen wieder gelegt haben, meine ich.

Man muss aber auch dazu sagen, dass die Attentäter, Bombenleger und LKW- Fahrer keine richtigen Moslems sind. Könnte man, dieser Logik folgend auch sagen, dass die Nazis im Dritten Reich keine richtigen Nazis waren und sie eventuell “Mein Kampf” nur falsch interpretiert haben? Ach ja, auf solche Gedanken, komme ich, wenn ich nachts nichts schlafen kann. Ich möchte auch eine Ungerechtigkeit anprangern: Moslems dürfen Juden hassen, Deutsche aber nicht. Alle sollten Juden hassen dürfen. Moslems dürfen Frauen unterdrücken, Deutsche aber nicht. Alle sollten Frauen unterdrücken dürfen. Ausnahmslos.

Aber gut. Ich will die Gräben nicht noch weiter vertiefen und werbe für Verständnis und Toleranz. Hey, ist doch ganz egal, welcher Ideologie jemand anhängt, egal, ob Daesh, Salafist, Nazi oder Pegida- Fan. Hauptsache er hat ein gutes Herz.

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Published on: August 23, 2016

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