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Medium sprudelt nicht

Die Kellnerin lächelt nicht genug, die Karte ist unübersichtlich, die Cola sprudelt nicht und die Limonenscheibe ist ein recht kleines Randstück. Entspann dich, sagt mein Freund. Er ist zufrieden, obwohl überhaupt keine Limononenscheibe auf seiner Cola schwimmt. Es ist eine Cola Light, vielleicht passt dazu keine Zitrone. Ihn stört es nicht und ich mache ein Foto von meiner Cola und beschließe, jetzt nichts zu sagen, aber hier nie wieder hinzugehen. Neulich in dem anderen Restaurant gab es auch zu wenig Limone in der Limonade, also war sie viel zu süß und als ich dann noch mehr Limone wollte, brauchte die überforderte Kellnerin so lange dafür, dass ich sie daran erinnern musste und mein halbes Essen schon aufgegessen hatte, als die fehlende Limone endlich kam. Bzw. ich musste sie mir selber holen. Auch da gehe ich nie wieder hin, ich weiß allerdings gar nicht mehr, wo das war. In Mitte neulich, war ich erst eigentlich ganz zufrieden, aber meine Begleiterin störte es, dass die Weißweinschorle nicht sprudelte. Sie wollte sie umtauschen lassen, der Kellner holte die Schorlen ab und entschuldigte sich, dann kam unser Essen, aber keine neuen Schorlen. Sie ging rein um nachzufragen, dann kamen die Schorlen, aber mit geschmolzenen Eiswürfeln und wieder ohne Sprudel und es waren die gleichen, die wir hatten zurückgehen lassen. Die mussten wir dann auch wieder zurückgehen lassen, dann kamen neue, mit mehr Wasser, minimal sprudelnder und jetzt weniger Wein enthaltend, meinte der Kellner, denn sie würden Medium Mineralwasser benutzen, daher auch der wenige Sprudel, und daher jetzt mehr Wasser und weniger Wein um wenigstens etwas Sprudel zu haben. Mir war der Sprudel mittlerweile egal, ich war scharf auf den Alkohol und bereute, nicht einfach Bier bestellt zu haben. Das Essen war auch nicht so besonders, nicht so wie es dort früher mal gewesen war, der Salat war einfach so lieblos auf einen vollkommen unpersönlichen weißen Teller gepfeffert, ohne Deko, ohne Arrangement, wie man es bei einem so teuren Asiaten doch erwarten könnte. An unseren Tisch quetschten sich zwei Amerikaner mit einem kleinen Hund, den die Frau in einem Rucksack auf dem Schoß hielt. Die Hundeschnauze befand sich auf gleicher Höhe mit meinem Salat. Wir fragten, ob der Hund krank sei und deswegen im Rucksack, aber nein, sagten die Amis, sie wollten nur die Leute nicht stören, mit dem kleinen Hund am Boden. I don`t mind sagte ich, ein Hund auf dem Boden war mir lieber, als eine Hundeschnauze in meinem Salat, aber sie checkten es nicht und meinten, der Hund fühle sich wohl im Rucksack und dann kauften sie beim Kellner ein T-Shirt von dem Restaurant und wir gaben es auf, uns mit dem Hund zu befassen und ich kaute meinen Salat und dachte, ich will in so einer Welt der zu kleinen Limonenscheiben und der schalen Weißweinschorles und der lieblos angerichteten Salate nicht mehr leben, ist es denn heutzutage nicht mehr möglich, irgendwo anständig essen zu gehen, man geht doch essen, um sich zu entspannen und nicht, um sich aufzuregen. Man ist doch mit jemanden zusammen, um sich zu lieben und nicht, um sich zu hassen, man küsst sich doch mit Leuten, um sich wohlzufühlen und nicht, um sie danach nicht vergessen zu können, man geht doch einkaufen, um schöne Sachen zu bekommen, und nicht, um Geld auszugeben, darum sollen sie wenigstens lächeln und großzügig mit Sprudel und Limone sein und den Salat hübsch arrangieren und lieb sein und sich vergessen lassen. Sonst geht der Mehrwert kaputt und ohne Mehrwert gibts gar keinen Wert und ich will mir meinen Mehrwert nicht kaputt machen lassen und deswegen sage ich jetzt nichts, aber ich gehe da einfach nicht mehr hin.

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