Kino

Ein berühmter Maler, (Kaminski) Weggefährte von Picasso, Schüler von Matisse. Er ist alt und blind und lebt in den Schweizer Bergen. Ein Journalist will seine Biographie schreiben. Zusammen machen sie sich auf den Weg zu der tot geglaubten Jugendliebe des Malers, weil der Journalist das für sein Buch braucht und der Maler für sein Leben.

Der Film ist voll schöner Bilder. Die Schweiz. Die Berge. Belgien. Das Meer. (Natürlich hat der Maler in seinem Leben noch nie das Meer gesehen, wann ist diese Idee endlich tot?) Er stirbt dann am Ende auch am Meer. Wahrscheinlich wegen der Poesie.

Der Film ist kunstvoll erzählt. Zeitsprünge, Traumsequenzen, Rückblenden. Überblendungen von gemalten Bildern in Film und umgekehrt. Er ist außerdem noch in Kapitel aufgeteilt, vielleicht weil es eine Buchverfilmung ist, die sich um das Schreiben eines Buches dreht.

Einerseits ist das schön anzusehen, andererseits wird der Erzählfluss immer wieder unterbrochen, zugunsten visueller Gags, zu Lasten der Empathie.

Auch die Dialoge sind voller Gags, aber lustig wird es trotzdem nicht.

Daniel Brühl hat so eine seltsame indirekte Art zu sprechen, er schnauft um seine Dialogsätze herum, da geht das Tempo verloren. Das machen ja viele Schauspieler heute so. Das müssten die Regisseure ihnen verbieten, aber entweder bemerken sie es nicht, oder sie finden es gut. Da kann man wohl nichts machen.

Die Handlung? Schwer zu erkennen. Irgendwie geht es um die Beziehung zwischen den beiden Männern, die berühmte “langsame Annäherung”, die in so vielen Filmen praktiziert wird. Erst mögen sie sich nicht, erkennen sich aber dann im anderen und dann entsteht irgendwie eine Art Freundschaft.

Der Journalist will plötzlich nicht mehr, dass der Maler stirbt, vielleicht durch Gewöhnung oder weil er sonst keine Freunde und so viele Probleme in seinem Leben hat. Als der Maler am Ende aber tot ist, scheint das keine weitere Wirkung auf den Journalisten zu haben, außer dass er sein Manuskript ins Meer wirft. Das muss wohl so in der Romanvorlage stehen und soll wohl bedeuten, dass…

[Hier bitte etwas Tiefsinniges einfügen]

Die beteiligten Frauen sind: Die Tochter des Malers, eine Art Paloma Picasso, schwerer Schmuck und schwarze Perücke, sowie die Freundin des Journalisten, eine kühle Blonde. Beide sind leider die meiste Zeit missgelaunt und zickig und behindern die Männer in ihrer freien Entfaltung.

Überhaupt sind alle Figuren so gezeichnet, wie sich alte Leute einen berühmten Maler (sonderbar, tiefsinnig, rätselhaft, künstlerisch) und einen Journalisten (frech, draufgängerisch, Kette rauchend) vorstellen. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich nicht mehr so gern ins Kino gehe, weil man da so mit Klischees bombardiert wird. Schon bei der Werbung und den Trailern vor dem Film dachte ich die ganze Zeit: Warum wollen mich eigentlich alle reinlegen? Da soll man beeindruckt und überrumpelt werden, mit Soundeffekten und Animationen, tiefen Stimmen, Musik und Krach, aber das kommt bei mir alles nicht mehr an.

Andererseits geht man doch genau deswegen ins Kino, um reingelegt, flachgelegt zu werden, umgepustet zu werden zu lachen und zu heulen etc. Dazu sind doch diese riesigen Säle da, die weichen Sessel,die Soundanlagen, die roten Samtvorhänge und all das. Stattdessen sitzt man da, fröstelt vor sich hin und schaut auf sein Handy um zu wissen, wie lang der Film noch geht und bemerkt, ein weißes Haar von Geraldine Chaplin, dass in einer Einstellung von der Continuity nicht bemerkt wurde und nun starr wie eine Antenne quer durchs Bild ragt, seitlich von ihrem Kopf herausstoßend, während man doch eigentlich in ihre tränenfeuchten Augen schauen soll und mitfühlen.

Foto-2

Abb. 1: Cinemaxx macht Werbung für Liveübertragung von Opern indem es Leute beim Sekttrinken zeigt. Auch das Cinemaxx ist verzweifelt.

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Published on: September 14, 2015

Filed Under: Metatext

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