Ich mag Milch

Die “Wilde Maus” mit Josef Hader brauche ich mir nicht auf der Berlinale anzuschauen, weil er ja garantiert ins Kino kommt. Der andere Film mit dem anderen Österreicher, Georg Friedrich, der kommt bestimmt auch ins Kino. “Helle Nächte”, der neue von Thomas Arslan, über eine gestörte Vater- Sohn -Beziehung. Berliner Schule at its best, als ob es Ironie nie gegeben hätte. Stumpfheit und Schwermut und schweigende Natur, die dieMenschen in sich selbst zurückspiegelt.

Ein passiv aggressiver Jugendlicher (Tristan Göbel), der nuschelt und sein Vater. Warum nuscheln jetzt immer alle so im deutschen Film, wie Laienschauspieler? Nuscheln wirkt nicht authentisch, Nuscheln wirkt doof. Wnnch feines allrgsch rgiere, iss ds Nschln. Sogar im Tatort neulich hat eine das gemacht, haben die denn keine Sprecherziehung mehr an den Schauspielschulen? Über jede Kritik erhaben ist natürlich Georg Friedrich. Georg Friedrich ist und bleibt Georg Friedrich, sanft und gefährlich, man denkt immer, dass er jeden Moment zuschlägt. Er macht wirklich überall mit, in fast jedem deutschen Independent Film. Natürlich, ich würde ihn auch sofort besetzen, einfach so als Denkmal seiner selbst. Ich würde Georg Friedrich in jede Szene einbauen, er müsste nur dastehen und etwas sagen, egal was: “Ich mag Milch.” “Schönes Wetter heute.” “Gott ist groß.” “Ich muss noch meine Steuererklärung machen.” Stellt euch diese Sätze mal mit Georg Friedrichs Stimme vor, ich bekomme jetzt schon Gänsehaut. Gestern abend nach dem Auftritt, wollte ich noch zum sogenannten Berlinale Palast um mir einen französischen Film mit Catherine Deneuve anzusehen, es gibt ja jedes Jahr einen Film mit Catherine Deneuve, aber dann bin ich doch nach Hause gegangen, weil es da um Hebammen ging und ich vertrage keine Filme über Hebammen und Geburtshilfe, davon bekomme ich Phantomschmerzen. Auf dem Heimweg habe ich mir einen Döner zum Mitnehmen geholt und es war so kalt draußen und der Weg noch so weit und die Bahn sollte erst in sechs Minuten kommen. Ich habe mir den Döner unter die Jacke gesteckt, da hat er mich gewärmt und ich habe den Döner gewärmt und dann bin ich ganz schnell den Weinbergsweg raufgelaufen und als ich bei der nächsten Station war, kam endlich die Bahn und ich bin eine Station mitgefahren und die Leute in der Bahn haben mich komisch angesehen, weil der Döner meine Jacke so ausgebeult hat. Zu Hause habe ich dann den Fernseher eingeschaltet, das mache ich eigentlich nie, das war nur wegen dem Döner und wegen DEM Döner und nicht wegen DES Döners schreibe ich nur wegen DEM Döner. Ich habe beim Döneressen “Goodbye Deutschland” gesehen und bin jetzt noch deprimiert. Das Ausland sieht in Goodbye Deutschland immer so hässlich aus, als ob diese hässlichen Deutschland- Auswanderer ihre eigene Hässlichkeit überallhin mitbringen. Sie werden von Hässlichkeit verfolgt und da hilft auch kein Auswandern. Und mir tun alle so leid, besonders das Ausland, dass jetzt diese hässlichen Deutschen aufnehmen muss, die die Landessprache nicht können und nur ein ganz mieses Englisch. Englisch klingt ja immer so hässlich, wenn es nicht von Engländern gesprochen wird. But the Döner was very good.

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Published on: Februar 15, 2017

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