Hinterzimmerliteraten

Neue Crew an neuem Ort. Eine ging fort. Dafür haben wir ein neues Mitglied. Man darf rauchen. Politische Differenzen. 

Im zuerst avisierten Treffpunkt roch es nach Essen und man konnte dort nicht rauchen. Also gingen sie woandershin. In diese Bar waren die drei vor sechs Jahren oft gegangen, weil sie den Barkeeper kannten, der arbeitet dort jetzt aber nicht mehr. Sie setzten sich ins Hinterzimmer, dort darf man rauchen und sie waren allein, es war der perfekte Ort. Obwohl Aimées Text im Grunde sehr gut angekommen war, schien es doch eine unendliche Menge an Kleinigkeiten zu geben, die man noch einfügen könnte, zB: Fat Lava Vasen, Eames Chairs, Südbalkon in der Abendsonne, ein Kübel mit einer Birke darin, abgesplitterten Nagellack, ein Punk- Konzert und jemand, der sich La Mer Crème auf ein schrundiges Knie schmiert.

Angelina erklärte ihr Konzept einer Problemlösungsagentur: Sie fühlen sich zu dick? Nehmen Sie ab! Sie sind arbeitslos? Suchen Sie sich einen Job! Sie fühlen sich allein? Suchen Sie sich einen Partner!

Aimée lieh sich einen grünen Fineliner von Lili, um Notizen zu machen. Sie fand, Angelina könnte das Ende von ihrem Text weglassen und sie müsse nicht auflösen, dass es sich um einen Traum handle. Lili fand es aber gerade gut, dass es nur ein Traum war. Angelina fragte, wie sie schreiben solle. Lili meinte, sie solle mehr Absätze machen. Aimée meinte, sie solle mehr Dialoge einfügen.

Dann sprachen sie über einen Film, den sie kürzlich im Kino gesehen hatten. Leider ist ein Film entweder gut, oder nicht so gut und man kann ja auch nicht in den Vorspann schreiben: Sorry, dass der nicht so gut geworden ist, wir mussten schnell fertig werden und wir haben leider nicht so viel Geld dafür bekommen.

Aimée fand Lilis Text zu rechtskonservativ belastet und sie riet ihr dazu, den Schluss umzubauen, so dass keine Assoziationen zu den sanierungsbedingten Mietsteigungen in Berlin hervorgerufen würden. Lili verteidigte die Häusersanierungen als sinnvoll, da sie doch Heizkosten sparen würden. Angelina fand gut, dass Lilis Text einen unkonventionellen Aufbau habe und dass er witzig sei.

Dann ging es um Romane.

Angelina sagte, sie wolle keinen dieser modernen Romane schreiben, in denen es darum ginge, wie die Kindheit war und welche Produkte man benutzt habe und wie die letzten zehn Jahre waren und auf welche Konzerte man gegangen sei und dass man einen Freund gehabt hätte, der in einer Werbeagentur arbeitete und welche Turnschuhe er tragen würde. Lili meinte, dass Familienromane immer noch gut lesbar wären, so ähnlich wie die Buddenbrooks.

Aimée meinte, sowas könne sie niemals schreiben, so einen Riesenbogen von 1901 bis heute, mit irgendeinem alten Großvater darin und Drama und Krieg und Onkeln und Tanten. Bloß weil mans gern liest, muss man es ja nicht gleich selber schreiben wollen. Ihr würde eher so etwas Fragmentiertes vorschweben, eigentlich nur eine Verschmelzung von allen ihren Geschichten. Dann ging es um die tätowierten Körper der Brandenburger und sie beschlossen, das nächste mal über Nacktheit/ Körper / Körperkult zu schreiben. Im Hintergrund lief Westbam und Black Rebel Motorcycle Club und als Marylin Manson gespielt wurde, hätten sie lieber Laid Back gehört, aber es war auch schon spät und sie waren auch die letzten und so gingen sie nach Hause und Gute Nacht.

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Published on: Mai 28, 2015

Filed Under: Metatext, Schreibkreis Nordost

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