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FOMO

Also ich wollte ja eigentlich schreiben, was ich jetzt immer abends so mache, anstatt in Bars zu gehen, aber das geht ja keinen was an. Also ich gehe nicht mehr in Bars, weil mir das zu teuer ist, also kaufe ich mir Sterni beim Späti und treffe mich mit Freunden an der Ecke, aber das geht ja keinen was an, dass mein Geld langsam knapp wird. 

Also noch bin ich stinkereich, aber das geht ja keinen was an. Ich muss halt abends raus, wenn ich den ganzen Tag zu Hause war und geschrieben geschrieben geschrieben und geputzt geputzt geputzt habe, aber das geht ja keinen was an, was ich den ganzen Tag zu Hause so mache, und abends muss ich dann raus, weil ich habe FOMO, Fear Of Missing Out, also Angst, was zu verpassen. Also AWZV, aber das geht ja keinen was an, was ich so für Ängste habe. Obwohl mir schon klar ist, dass ich meinem Traummann nicht nachts an der Straßenecke begegnen werde. Um Himmels Willen. Was soll denn das für einer sein. Ein Kerl, der einen nachts an der Ecke anquatscht, Hilfe! Nachts an der Ecke, so will man sich doch nicht begegnen.

Ich möchte meinem Traummann bei einer Gartenparty vorgestellt werden, aber das geht ja keinen was an.

Ich habe überhaupt keine Freunde, die Gartenpartys veranstalten, die haben dieses Wort noch niemals nicht mal ausgesprochen, sowas gibt es in deren Welt nicht.

Die haben zwar teilweise Gärten, meine Freunde, aber da legen die Kräuterspiralen an und ebensowenig wie ich weiß, was eine Kräuterspirale ist, wissen die, was eine Gartenparty ist.

Also im Freundeskreis brauche ich auf den Traummann nicht zu hoffen. Ich bin dann später doch noch in die Bar gegangen, also alleine, ich gehe manchmal alleine in Bars, aber das geht ja keinen was an. Ich wollte mir da vom Ersparten ein Gläschen Mineralwasser leisten und bin dann einer Frau begegnet, die hatte ein weißes Kleid an und die hat mir auf dem Klo ihre Beine gezeigt, also das Kleid bis zum Schlüppi hochgehoben und noch höher, bis zum Bauch und sie meinte, kuck mal, wie fett ich bin und ich habe gesagt, nee gar nicht.

Ich fand ihre Beine und so weiter ziemlich schön und genau richtig fett, das geht aber nun wirklich keinen was an und auch nicht, dass sie mir dann noch ihre Brüste gezeigt hat und sie konnte mir die gut zeigen, wegen ihrem Kleid und sie meinte, dass sie mich echt mögen würde, ich sei so schön einfach und normal, so eine Ossifrau eben, weil ich  nicht zu ihr sagen würde, dass ihr Kleid sexy sei. Ja, sagte ich, die Leute wollen einander gern in Schubladen stecken, aber ich bin nicht so, ich bin ganz anders und sie sagte, genau und deswegen fände sie mich so toll und ob ich mit zu ihr kommen wollte, sie würde gleich um die Ecke wohnen und sie hätte ein sehr großes Bett, aber das geht ja keinen was an.

Und ich habe gesagt, krass, das muss ich mir aufschreiben, denn es ist natürlich zwiespältig, als wunderbar normal und einfach und als typische Ossifrau beschrieben zu werden, weil ich mich doch eigentlich eher als neurotische, extrem spezielle, besondere, komplizierte und kosmopolitische Dame bezeichnet sehen würde und nicht als einfache normale Ossifrau, aber das geht ja keinen was an. Und außerdem sagte ich, ja klar, würde ich mit zu ihr gehen, denn man muss die Aufgaben annehmen, die das Leben einem stellt und sie meinte dann, ja lass uns sofort losgehen, aber kein Sex, ne?

Und ich habe gesagt, ja klar, natürlich nicht und ich wusste, ich würde es ihr gleich richtig besorgen, in ihrem großen Bett, denn so schwer kann es nicht sein, eine Frau zu befriedigen, das würde ich auf jeden Fall hinkriegen und ich hatte auch mächtig Bock, denn ich habe doch schon seit drei Wochen keinen Sex mehr gehabt und das schlaucht und ich schickte sie an den Tresen, damit sie mein Mineralwasser bezahlt und zog meinen Pulli an und war absolut bereit, sie gleich ordentlich zu zerlegen, aber das geht ja keinen was an.

Aber dann meinte diese Schlampe plötzlich, sie sei jetzt doch noch so wach und sie müsste unbedingt noch eine Weile hier bleiben und ich dachte: Verdammte Weiber und meine Erektion schrumpfte, aber das geht ja keinen was an und dann ging ich alleine nach Hause und ich dachte, besser so, aber schade, aber besser so, aber schade, aber besser so, aber schade, aber besser so, was war das denn bitte für eine Bitch.

Ja, also es hatte sich mal wieder echt gelohnt rauszugehen, wegen FOMO, denn sonst hätte ich voll was verpasst, aber das geht ja keinen was an.

 

 

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