Exklusive Integration in den Weltmarkt

Gestern habe ich Eierkuchen gemacht, also Crêpes, also Pfannkuchen. Die waren so lecker.
Schade, dass außer mir und meiner Familie, davon keiner was abhaben konnte.
Megaexklusiv waren diese Eierkuchen. Exklusiver geht es gar nicht.
Erstens: Nur bei uns im Wohnzimmer zu haben, zweitens: nur für vier Personen und drittens: es ist vorbei! die gabs gestern!
Die Sache ist gelaufen.

Deswegen pitche ich hier den Fernsehwerbespot für diese Eierkuchen, denn das ist mein neuestes Konzept:
Superteure Fernsehwerbung für absolut nicht käufliche, unbezahlbare Items, wie Eierkuchen von mir, bei mir, gestern.
Also: New York. Manhattan. Straßenschlucht. Fünf aktuelle männliche Superstars gehen nackt, von Kopf bis Fuß mit Diamanten beklebt, die Straße entlang.
Das London Symphonic Orchestra spielt eine Coverversion eines aktuellen Welthits.
Plötzlich wird es dunkel.
Die Superstars schauen nach oben. Ein riesiger Eierkuchen schwebt am Himmel und verdeckt die Sonne.
Kamerafahrt nach oben, außen um den Eierkuchen herum, der die gesamte Fläche New Yorks einnimmt. Auf dem Eierkuchen stehen fünf aktuelle Welthitsängerinnen, nackt und komplett vergoldet, tanzen und singen den Eierkuchensong. Durch das Getanze reißt der  Eierkuchen auseinander.
Umschnitt auf die New Yorker Hochhausstraße, die Sonne bricht durch den Riss im Eierkuchen, göttliche Klänge dringen ans Ohr der diamantenbesetzten Weltstarboys. Die goldenen Welthitsängerinnen schweben zur Erde, durch den Riss im Eierkuchen. In den Händen halten sie Eierkuchenstücke, welche sie den Weltstars darbringen. Alle essen gemeinsam Eierkuchen, mit großem Genuss.
Eine männliche Stimme sagt:
„Dieser Eierkuchen. Du wirst ihn niemals kriegen.“
Ende.
Das ist so witzig. Warum gibt es kein richtiges Buch mit deinen Texten? Mach doch mal ein Buch mit deinen Zeichnungen! Schreib doch mal eine Kolumne für eine Zeitung.
Nein. Das wird niemals passieren. Weil ich das nämlich nicht will. Ich bekomme so viele Angebote, aber ich will einfach nicht.
Ich sage nicht mal nein, ich sage einfach nö.
Ich bin nicht käuflich, wie meine Crêpes. Obwohl ich natürlich weiß, dass in den Zeitungen und Zeitschriften weiße Flecken bleiben,
da, wo eigentlich meine Texte stehen sollten.
Obwohl ich weiß, dass in den Buchhandlungen, auf den Büchertischen und in den Schaufenstern Lücken sind, dort wo eigentlich meine Bücher stehen und liegen sollten.
Ich hinterlasse keine Lücke, sondern ich… was ist eigentlich das Gegenteil von „hinterlassen“?
Wenn Sie sich also gelangweilt fühlen und enttäuscht sind von Oberflächlichkeit, Seichtheit, Selbstbezogenheit, Schlamperei, Klischees, Kommerz und Verfall, so liegt das an mir,
weil ich mich verweigere, trotz allem Bitten und Betteln von Weltkonzernen, Weltverlagen, Weltmuseen, Weltinstituten, Weltveranstaltungsbetrieben und Weltwelten.
Kunst und Kultur stagnieren komplett, wegen mir. Ich sitze hier trotzig und bockig in meiner Ecke und bin auch noch stolz drauf.
Aber Wut und Zorn, Verallgemeinerungen, sowie Strafen helfen hier nichts.
Ich bin ein Einzelfall.
Man muss auf mich eingehen, damit sich etwas ändert. Mir zuhören, mir auf Augenhöhe begegnen, ohne Vorurteile. Muss sich auf mich einlassen, mir meine Sorgen und Ängste nehmen, mir niedrigschwellige Angebote machen.
Nur zu: Es lohnt sich.
Ich habe schon gute Erfahrungen mit mir gemacht.

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Published on: März 31, 2016

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