Es wird komplext.

Es wird hakelig. Krankheit und Terminverschiebungswünsche. Unmut. Aber wir machen weiter. 

D soll am Dienstag neu zur Gruppe hinzukommen.

A hat keinen Text und schlägt vor, das Treffen am Dienstag eine Woche zu verschieben.

B und C wollen das nicht und meinen, man könne auch ohne Text kommen und trotzdem die der anderen mitbesprechen.

D kann auch eine Woche später, aber nur eventuell.

Übers Wochenende wird B krank und will den Termin am Dienstag auch verschieben.

D sagt, sie könne eine Woche später doch nicht.

C schlägt als Ausweichtermine Mittwoch, den kommenden Montag, oder den kommenden Mittwoch vor.

B kann an allen diesen Tagen, A und D melden sich nicht.

B geht es wieder besser und schreibt, man könne sich wie ursprünglich geplant, am Dienstag treffen. D sagt, das sei gut, denn sie könne nur an diesem Tag. C schreibt juhu.

B, C und D treffen sich am Dienstagabend bei B.

Zuerst wird Bs Text besprochen. Die Beschreibung der gemeinsamen Aktivitäten eines Liebespaars am Wochenende.

C sagt, dass der Text einen guten Anfang hätte und dass man sich gut in die Situation hineinversetzen könne.

D meint, der Text beschreibe den Urzustand einer Beziehung, wenn alles noch offen ist und man keine Ansprüche aneinander stellt.

B gibt zu, dass es kein Zufall sei, dass Form und Inhalt des Textes etwas miteinander zu tun hätten.

Sie fragt, ob der Schluss nicht zu sachlich sei, C findet das aber gut, weil darin das Ende der Beziehung erklärt sei, ohne zu viel Details zu verraten. D findet den Schluss erst zu abrupt, dann aber doch nicht.

Überhaupt, Bs Text wirke intim, ohne dem Leser zu nahe zu treten und dies wird als herausragende Qualität hervorgehoben.

D sagt, es sei ihr trotz der Qualitäten des Textes nicht klar, warum B diesen Ausschnitt als Geschichte gewählt habe. Für sie läse sich der Text, wie ein beliebiger Teil eines sehr guten Romans.

B erwidert, die Aufgabe, Texte über Exfreunde zu schreiben, sei dahingehend fortgesetzt worden, sich nur bestimmten Gefühlen, die eine Beziehung ausmachen, zu widmen. C bestätigt das, obwohl sie die Aufgabe nicht erfüllt hatte.

(Sie wollte es tun, hatte dann aber doch mehr Lust gehabt, einen anderen Text zu schreiben.)

In Ds Text geht es darum, wie man auch nach Jahren des Wiedertreffens mit einem Exfreund wieder in alte Beziehungsmuster rutscht, obwohl man sich inzwischen weiterentwickelt hat. Bzw. es könnte darum gehen, wenn D sich entscheidet, diesen Aspekt weiter herauszuarbeiten.

Momentan, sagt C, würde es sich bei dem Text eher um eine amüsante Materialsammlung, als um eine Geschichte handeln.

B hebt die gute Lesbarkeit hervor, die vielen guten Formulierungen, sowie den Humor.

C bemängelt, dass die negativen Aspekte des Exfreundes zu sehr hervorgehoben würden, und dass sich die Erzählerfigur dadurch unglaubwürdig mache und der Text zu sehr nach persönlicher Abrechnung klingen würde.

C und B empfehlen D, sich bei der Überarbeitung des Textes auf konkrete Ereignisse zu fokussieren und die Kommentare und Wertungen so weit als möglich wegzulassen, so dass der Leser sich selbst ein Bild vom Geschehen machen könne.

Es sei nicht nötig, alle Informationen die man hätte, im Text zu verarbeiten, D brauche sich der Realität nicht zu sehr verpflichtet zu fühlen und sie solle sich für eine Prämisse entscheiden.

Sie könne aber auch die Perspektive der Erzählfigur so weit einengen, dass nur noch ihre Wut auf den Exfreund übrig bliebe, dann könne sie ihn auch konsequent durch diese Brille beschreiben.

Es könne aber auch darum gehen, dass Machtgefüge in Beziehungen,  schwer zu durchbrechen seien, auch wenn man sich schon lange getrennt hätte.

B, C und D kommen zu dem Schluss, dass Selbstgerechtigkeit und ein gewisser Dogmatismus Männer sehr attraktiv machen können.

In Cs Text geht es um eine überraschende Begegnung, als die Hauptfigur ihr Kind von einer Geburtstagsfeier abholt.

B sagt, Cs Text würde so richtig erst auf der zweiten Seite ganz unten beginnen. Ein Dialog, der ungefähr ein Drittel der dritten Seite ausmache, sei zu lang und würde zu wenig aussagen.

D sagt, man würde der Erzählfigur gern zurufen, sie solle sich nicht so anstellen. Die Beschreibung der Situation sei zu unklar, so dass das Unbehagen der Erzählfigur nicht nachvollziehbar sei. Die negative Beschreibung der Eltern des Geburtstagskindes wirke unreflektiert.

C verteidigt sich, dass sei alles genau so geschehen, erkennt aber, dass sie den gleichen Fehler gemacht hat, wie bei ihrem Text vom letzten Treffen:

Sie hatte lediglich auf für andere nicht nachvollziehbare Weise, die Wirklichkeit protokolliert und dabei geglaubt, sie hätte eine gute Geschichte geschrieben.

Ihr wird empfohlen, ihre Beobachtungen stärker zuzuspitzen, radikaler zu werden, ihrer Geschichte eine Dramaturgie zu geben und sich ebenso wie D, der Wirklichkeit nicht zu stark verpflichtet zu fühlen.

C denkt laut darüber nach, ob sie versuchen sollte, ihren Text aus einer anderen Perspektive zu erzählen, kann sich selbst aber von der Idee nicht überzeugen.

Sie nimmt sich vor, den Text zu überarbeiten und die zwei Hauptstränge ihrer Geschichte stärker miteinander zu verknüpfen. Außerdem könnte sie auch Zeit und Ort ändern und die Geschehnisse viel dichter zusammenführen.

Dann wird die Aufgabe für das nächste Treffen besprochen. C hat sich Notizen dazu gemacht, kann hier aber nur sagen, dass es um Wut gehen wird.

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Published on: Mai 13, 2015

Filed Under: Metatext, Schreibkreis Nordost

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