Entropie, jetzt oder nie

Schon seit über einem Jahr liegt Friedemanns Knoblauchpresse in meinem Besteckfach. Ich rechne sie mittlerweile schon zu meinem Eigentum. Friedemann hatte sie zu meiner Dinnerparty vorletztes Silvester mitgebracht, weil Serjoscha auf keinen Fall ohne Presse kochen wollte und ich hatte keine gehabt, weil nämlich mein Ex Igor Knoblauchpressen abgelehnt hatte und Knoblauch stets stolz und bäuerlich in der hohlen Hand würfelte.

Friedemann hatte mich im Laufe des Jahres manchmal scherzhaft an seine Knoblauchpresse erinnert, aber bei unseren Treffen hatte es sich nie ergeben, dass ich ihm die zurückgeben konnte. Oder hätte ich die Knoblauchpresse etwa mitnehmen sollen, als wir ins Berliner Ensemble ins “Panikherz” gegangen sind?

Auch als wir zum WM Gucken im Biergarten verabredet waren, hatte ich nicht daran gedacht und ebensowenig, als wir uns wegen der “Stop killing Mauerpark” Demo trafen.

Die Presse ist robust und hochwertig. Es gefällt mir, darin Knoblauch zu zermatschen, auch als Zeichen der Emanzipation von Igor. Seit der Trennung bin ich die Herrin meiner Küche und jedes Mal, wenn ich Friedemanns Knoblauchpresse benutze, denke ich triumphierend daran, wie Igor dies missbilligen würde.

Ich habe Friedemanns Knoblauchpresse und Friedemann hat meine Kuchenform.

Das ist aber nicht das Problem. Das Problem ist, dass es nicht meine Kuchenform ist, sondern Karls, und Karl will die wiederhaben.

Karl hatte mir bei einem Grillfest Kuchen mitgebracht und die Kuchenform dann bei mir vergessen und ich hatte die Form benutzt, um Friedemann damit einen Geburtstagskuchen zu backen und sie dann bei Friedemann vergessen.

Kürzlich schrieb mir Karl wegen der Kuchenform und ich suchte sie überall, bis mir einfiel, dass die wohl bei Friedemann liegengeblieben sein musste.

Als ich Friedemann nach der Kuchenform fragte, erinnerte der mich an seine Knoblauchpresse und so blieb mir nichts weiter übrig, als um einen Übergabetermin zu bitten.

Da ein Treffen, dass nur die Übergabe von Küchengeräten beinhalten würde, zu profan gewesen wäre, veranstaltete Friedemann ein Essen mit mehreren Freunden. Ich machte mich schick, ging hin, vergaß aber die Knoblauchpresse zu Hause und dachte nicht daran, mir Karls Kuchenform wiedergeben zu lassen.

Dafür hatte die ebenfalls anwesende Dorothea, angeregt durch Friedemanns Essenseinladung, die Idee, ebenfalls ein Essen zu geben. Daher verbrachte ich den Silvesterabend bei ihr und verlor dort meinen Ohrring. Das erinnert mich daran, dass ich mein goldenes Armband bei Hektor verloren habe. Irgendwo in meinem Körper müssten aber noch Sperma und Spucke von ihm sein. Außerdem liegen bei mir noch die Brille eines Unbekannten, Josefs T- Shirt, Margaretes Schal, nein, den habe ich Willi geliehen, Tilman schuldet mir 180 Euro und Magdalena 100 und Katharina hat mir das Timothy Leary Buch immer noch nicht zurückgegeben.

Die Knoblauchpresse und die Kuchenform gebe ich aber niemals wieder her, denn irgendwas muss doch da sein, wo es hingehört.

 

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