Die Vorbereitungen zur Feier des Geburtstages und die Feier des Geburtstages

Die Nacht ging in ein dunkles Blau über, in dem die Sterne hell und glitzernd strahlten, als wehrten sie sich gegen das aufkommende Tageslicht. Ich merke davon nichts. Ich schlafe. Es wird Tag. Ich schlafe. Es wird Mittag. Ich liege im Bett. Licht dringt scheibchenweise durchs Geäst und Gehölz und Vorhänge. Mein Handy ist auf lautlos. Manchmal wenn ich aufwache, sehe ich drauf. Anrufe sind mir entgangen. Oder bin ich den Anrufen entgangen? Ich schlafe wieder ein. Träume von Weltreisen, Nächten mit Exen, verwinkelten Clubs, alles detailliert, alles wie echt. Dann wache ich auf, dann stehe ich auf, dann fange ich endlich an. Hole Wasser am nahegelegenen Bach. Setze mich vor den Ofen, schabe die Asche heraus und fülle ihn mit Stücken handtellergroßen Schafkots. Dann Aufräumen. Auf dem Schreibtisch liegt noch das Springseil, dass meine Tochter letztes Jahr zum Geburtstag bekommen hat. Warum liegt es hier? Ich habe es dorthin gelegt, vor Wochen, damit sie sich damit nicht versehentlich stranguliert. Jetzt lege ich es in einen Beutel, vielleicht können wir das morgen mit auf den Hof nehmen, vielleicht wird ein Kind damit hüpfen. Es hat noch nie ein Kind damit gehüpft. Ich schon. Erinnerungen, wie ich meinen massigen Körper über das Seil wuchte. Die Wände erzittern lasse. Einmal, zweimal, dreimal. Dann kann ich nicht mehr. Alles tut weh. In der Lunge sticht es. Die Fußsohlen kribbeln. Aus den Wänden tönen lautlose Geräusche, es klingt, als würde die Wohnung auseinanderbrechen.Das Seil wird auf dem Schreibtisch abgelegt. Ich mache ein Foto von meinem Schreibtisch und poste es auf Instagram. Keinem gefällt mein Schreibtsich. Nach ein paar Stunden lösche ich das Bild wieder. Die schwarze materie besteht aus gelöschten Bildern. Ich vergrößere die schwarze Materie. Ich füge ihr ein Bild hinzu. Möge es dort ewig leben. Kleidung sortieren. Stapel bilden. Kleine Kleider, große Kleider, meine Kleider, meine Hosen, meine Pullis, kleine Hosen, große Hosen, kleine Pyjamas, deine Pyjamas. Meine Shirts, ihre Shirts, seine Shirts, schmutzige Shirts. Ich will die Stapel fotografieren, um mir die Stapelsorten zu merken, um sie später aufschreiben zu können, dann schreibe ich sie stattdessen aber gleich auf. Auch die Zusatzstapel. Handtücher Bad, Handtücher Küche, Socken einzeln, Socken Paare, Sockenpaare Erwachsene, Sockenpaare Kinder. Dann alles in die Schränke. Ich laufe hin und her. Ich kann es schaffen, jeder schafft das, kein Problem, nicht drüber sprechen bitte. Später werden sie uns loben, wie ordentlich es bei uns aussieht. Aber heute ist heute und ich bin noch mittendrin. Am nächsten Tag. Er geht einkaufen. Für 400 Euro, aber keinen Kuchen. Ich sage schlimme Sachen, für die ich mich nachher wieder entschuldigen werde, sagt er. Mein Sohn schweigt und sieht weg. Alle haben Angst davor, was ich als Nächstes sagen werde. Für 400 Euro Obst für einen Kindergeburtstag einkaufen, aber keinen Kuchen ist nicht so schlimm, wie alles was ich nun zu ihm sage. Und die Kinder hören zu. Ich kann nicht aufhören und es ist besser ich gehe jetzt selbst Kuchen kaufen. Mit jedem Schritt beschleunigte ich meinen Gang, nur weg von hier und verfiel, den Blick nach vorne gerichtet, in eine Art kontrolliertes Rennen und bald wusste ich nicht mehr, in welchem Teil der Stadt ich mich befand und stand nun doch schon kurz vor dem Rewe. In den ich eintrat, wie in eine Kathedrale und alle Wut fiel von mir ab und ich kaufte Bier und Eis statt Kuchen und fast alle Kinder wollen eins essen. Die keins essen wollen, haben Pech gehabt. Ein Kind fragt nach Kuchen. Es ist genau das Kind, was keinen Kuchen mag. Es ist das Kind, welches das Eis nicht mag, denn es ist Buttermilch Zitrone und das Kind will nur Zitrone. Ist nicht schlimm. Ich habe nicht nur Eis gekauft, sondern auch Bier. Mit Bier geht alles besser. Das Kind will auch sonst nichts essen und später hat es Bauchweh deswegen, aber dann isst es Brot, dann ist alles gut. Alle sind zufrieden. Kein Kind weint oder streitet, oder fällt von der Mauer, tritt in die Brennesseln, fällt aufs Knie, kommt in Kontakt mit rostigen Nägeln. Nur die Wolken zogen, gnadenlos zielgerichtet, über den blaualgenfarbenen Himmel.

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Published on: Juli 10, 2017

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