Die Neun Unangenehmen Verhaltensweisen, die man vermeiden muss, um nicht absolut unerträglich zu sein

Sind wir nicht alle ein bisschen absolut unerträglich?

Sind wir eigentlich zu Recht Single und haben keine Freunde?

Sind wir nicht? Haben wir doch?

Dann nur, weil die genauso absolut unerträglich wie wir selber sind.

Unerträglich? Was meinst du denn damit?

Das:

Erstens: Du bist zu langsam.

Es dauert zu lange, bis du kapierst, was los ist.

“Die Welt geht unter? Echt? Ach darum wackelt das Haus so. Ich habe mich auch schon gewundert, warum auf einmal alle so schreien. Ich dachte, das ist was im Radio.”

Wir müssen sofort in den Bunker, um nicht verstrahlt zu werden?

“Ja klar, ich kämm’ mir nur noch kurz die Haare und hast du zufällig irgendwo meinen roten Schal gesehen? ”

Zweitens: Du bist nicht offen für neue Erfahrungen.

Die Außerirdischen kommen und wollen ein paar nette Leute auf ihren paradiesischen Planeten mitnehmen?

Nein, das ist nichts für dich. Erstens kennst du die gar nicht, zweitens bist du viel zu müde, drittens ist das viel zu weit weg und viertens wolltest du doch morgen in den Fliesenmarkt, Fliesen kaufen.

Drittens: Du redest zu viel.

Du sitzt mit den Außerirdischen in der Rakete und sie wollen dir was über ihren paradiesischen Planeten erzählen?

Du hörst nicht hin. Erst mal müssen sie wissen, dass deine ehemalige Schulkameradin aus der Zehnten jetzt Grundschullehrerin im Bayrischen Wald ist und dass dein erster Freund gut geküsst hat, aber du gar nicht weißt, was er heutzutage macht und dass du vor zwei Wochen einen Häkelkurs anfangen wolltest, aber da dann so komische Leute waren, aber vielleicht hast du dir das auch nur eingebildet, und du dann nicht mehr hingegangen bist, aber nicht wegen den Leuten sondern das eine Mal warst du krank und das andere Mal musstest du auf den Lebensmittellieferservice warten, weil dein Freund die für den Abend bestellt hat und verpeilt hat, dass du da ja den Häkelkurs hast, jetzt überlegst du, wieder hinzugehen, allerdings ist das schon morgen abend und da wolltest du dich eigentlich mit Helga treffen, aber du wirst sie wohl verschieben, obwohl du dir Sorgen machst, ob du nicht schon zu viel verpasst haben könntest, andererseits gibt es noch einen anderen Häkelkurs im Friedrichshain, der aber schon ausgebucht ist, allerdings stehst du auf der Warteliste, vielleicht klappt es trotzdem noch, du bist dir aber nicht sicher, ob dir Friedrichshain nicht zu weit weg ist, aber du wolltest ja schon immer Häkeln lernen, und deswegen wäre es doch ganz schön wenn das jetzt klappen würde, auch weil du dich noch so gut an die Annemarie, die Grundschullehrerin erinnern kannst, die auch immer so schön gehäkelt hat, allerdings…

Viertens: Du hast zu viele Selbstzweifel.

Alles lief gut, einiges hätte besser klappen können?

Das liegt daran, weil du ein schlechter Mensch bist und absolut unfähig.

Du kommst fünf Minuten zu spät?

Das zeigt mal wieder, wie kaputt du eigentlich bist und dass dein ganzes Leben gescheitert ist.  

Du hast vergessen, Milch einzukaufen?

Du wirst es nie hinkriegen, mal etwas nicht zu vergessen, man sollte dich erschießen.

 

Fünftens: Du hast zu wenig Selbstzweifel.

Du hast immer recht. Du wusstest immer schon alles vorher. Du schweigst, bis dein Stichwort kommt. Dein Stichwort kann alles sein. Egal, worum es geht, du kannst aus dem Stehgreif einen halbstündigen Vortrag darüber halten, mit dem du die Sachlage ein für allemal klärst. Es ist vier Uhr morgens und du referierst detailliert über den Plastikmüll in den Ozeanen, das iranische Atomprogramm, die Ergebnisse des Weltwirtschaftsforums in Davos und die Auswirkungen der zehnten Novelle der Urheberrechtsreform. Du argumentierst fundiert und kannst deine Quellen belegen. Die anderen nicken, nicken und nicken und du hast recht, hast recht, hast recht.

Sechstens: Du kriegst nichts gebacken.

Ende letzter Woche war Abgabetermin? Die hätten dich sowieso nicht genommen, du hast eigentlich gar nichts vorzuweisen und bist dir auch nicht sicher, ob du das wirklich willst. Aber ob du noch mal die Emailadresse von der Agentur haben könntest, nein, du hast dich immer noch nicht bei denen gemeldet, eigentlich sind die dir zu kommerziell, im November hast du probiert, dort anzurufen, aber da war besetzt, du wirst denen eine Mail schicken, wenn du weißt, wie du deine Idee formulieren sollst, du weißt noch nicht so genau, ob du das überhaupt machen willst, , und außerdem hast du keine Zeit dafür, denn jetzt fängst du an, wieder an der Bar zu arbeiten und deine Website ist auch immer noch nicht fertig, weil in Wirklichkeit bringt das doch nichts.  

Siebtens: Dein Freund/ deine Freundin sind absolut unerträglich.

Du nimmst sie aber trotzdem überallhin mit. Du liebst diese Person ja, und du stehst dazu und deine Freunde müssen sie/ihn auch gut finden.

Er neigt im Suff dazu, dich zu beschimpfen? Er ist ein sensibler Künstler.

Sie kontrolliert heimlich dein Handy? Sie wurde in einer früheren Beziehung verletzt.

Er arbeitet immer, kommt schlecht gelaunt nach Hause und behandelt dich respektlos?

Er hat eben gerade so viel zu tun und es wird bestimmt alles wieder gut, wenn ihr dieses Wellness- Wochenende an der Ostsee verbracht habt.

Achtens: Du bekommst nichts mit.

Silvester in Köln? Genmais? Moderne Architektur? Hä? Du hörst kein Radio, hast keinen Fernseher und übers Internet hörst du nur Musik.

Internet? Was ist das?

Ach nichts. Vergiss es einfach.

Neuntens: Du bist kokett.

Du bist eben auch nur ein sympathischer Mensch mit all seinen liebenswerten Schwächen. Süß, dass du Pizza und Chips magst, witzig, dass du gern auf dem Sofa liegst und Dschungelcamp schaust. Niedlich, wie du morgens nach dem Weckerklingeln noch ein bisschen länger im Bett liegen bleibst. Schnuckelig, wie zerzaust deine Haare sind und lieb, wie du die U- Bahn verpasst hast.

Drollig, dass du deinen Kuli vergessen hast und bezaubernd, dass dir nicht immer gleich das richtige wie- heißt- das -gleich-noch-mal- dingsi-Wort einfällt.

Süß, dass du mal wieder gar nicht mitbekommen hast, worüber gerade gesprochen wurde und entzückend, dass du diesen einen Film so gar nicht verstanden hast.

Ich weiß, die Liste könnte ewig weitergehen.

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Du kannst dich natürlich auch gut anziehen, effizient arbeiten, schlau sein, charmant, witzig und geschmeidig sein, dich trotzdem nirgendwo anbiedern und nicht immer dieses kleine Lachen hinten dranhängen. Dann wird dich auch keiner mögen, aber die Außerirdischen werden dich und die anderen coolen Leute mitnehmen, auf ihren paradiesischen Planeten.

 

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Published on: Januar 26, 2016

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2 Responses to Die Neun Unangenehmen Verhaltensweisen, die man vermeiden muss, um nicht absolut unerträglich zu sein

  1. Köstlich. Ich liege gackernd am Boden, während ich kokett einen Kuli suche, um diese Ding im Internet asuzufüllen.

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