Der Sexismus im Literaturbetrieb

Wenn man sich die Wahlergebnisse so anschaut, weiß man ja auch nicht, ob es so gut, ist, dass die Frauen das Wahlrecht bekommen haben. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich hab nichts gegen Frauen, wenn sie hübsch und schlau sind.

Ich bin ja selber eine Frau. Ich schreibe. Ich bin weibl- Ich.

Sie haben mich schon wieder nicht nach meiner Meinung zum Sexismus im Literaturbetrieb gefragt. Ja, Sie auch nicht. Das große Special in der Welt ist ohne mein Statement erschienen, das Zeit- Dossier auch. Die Faz hat mich nicht angerufen und die taz auch nicht. Tagelang habe ich neben dem Telefon gewartet.

Sie haben nämlich nur wichtige Frauen gefragt. Das ist auch Sexismus. Oder Wichtig- Ismus. Wieso bin ich eigentlich nicht wichtig? Ist es wegen meinen Brüsten? Oder hab ich zu kurze Beine? Bin ich zu fett? Zu alt? Zu jung? Schreibe ich etwa nicht gut genug? Ist es wegen meiner weißen Haut?

Ich hatte meine Statements schon bereit. Ja, es ist nicht ok, dass die Männer Fußball zusammen spielen, weil ich da nicht mitspielen kann. Könnten wir nicht etwas Anderes spielen? Beachvolleyball, oder Frauenfußball, oder Wettrennen machen, oder Fange spielen, oder Versteck, oder Tischtennis? Tischtennis geht auch nicht, da schmettern die immer so.

Oder dass sich die Männer ohne mich treffen und Zigarre dabei rauchen. Zigarre rauchen ist ungesund.

Nein, ich finde es nicht gut, dass Romane von Frauen immer rosa Cover bekommen und dass wir auf Autorenfotos nackt sein müssen.

Wir hatten auch mal an der Filmhochschule einen hässlichen Profesor, der hat uns junge Studentinnen immer angemacht, und er war ein richtig hässlicher Zwerg mit einer riesigen spitzen Nase, da hing vorne immer ein durchsichtiger Tropfen Rotze dran.  Ich nicht mehr in sein Seminar gegangen, besonders, nachdem er vorgeschlagen hat, wir könnten ja alle mal danach zusammen was trinken gehen. Ich fand den eklig, besonders schlimm waren aber die anderen Kommilitonen und ninnen. Die fanden den nämlich süß. Die sind danach mit was trinken gegangen, in die Bahnhofswirtschaft in Potsdam und sagten, es sei herrlich gewesen, wie er seine Nase ins Weinglas getaucht hatte.

Da gabs auch den anderen Dozenten, der hatte Lieblingsschüler (ich wars nicht), der saß in meiner Diplomprüfung, der hatte er noch nicht mal meine Diplomarbeit gelesen, denn er hat überhaupt nichts gefragt und mir trotzdem eine Drei gegeben.

Da gabs die Dozentin, die immer so stark nach Zigarette roch und eine Katze hatte, von der sie so oft erzählte und ansonsten habe ich mich auch vor ihr geekelt, besonders weil sie uns mit Theaterstücken gequält hat, die mit Film überhaupt nichts zu tun hatten und sie hatte so eine Schuppenflechte an den Armen und hat sich während des Unterrichts immer die Ellenbogen gekratzt und da sind so graue Flöckchen von ihrer Haut gerieselt, das hat sie gar nicht gemerkt.Aber ich. Die anderen fanden sie süß, haben jetzt Jobs als wissenschaftliche Mitarbeiter und müssen sich das Geriesel jeden Tag ansehen.

Da gabs auch die Regieprofessorin mit dem Alkoholproblem, der ich erklären musste, dass sie an der Studiotür nicht von außen zu rütteln braucht, wenn die Lampe rot ist,  denn dann wird gerade gedreht und dann kommt keiner ins Studio rein, auch die leitende Regieprofessorin nicht. Da gabs den Professor, der hat immer alle zu sich nach Hause eingeladen, weil das eine bessere Verbindung schafft, und da bin ich nie hingegangen, aber ich war auch nie eingeladen, aber ich wäre auch nie hingegangen, aber die anderen fanden den alle süß und haben ihn beim Vornamen genannt und hatten eine gute Verbindung mit ihm und gute Filme sind dabei nicht herausgekommen.

Ich war vor dem Studium auch mal bei einem Herrenabend, da hatten die Jungs sich Anzüge angezogen und sich zum Kartenspielen und Whiskey trinken verabredet, aber das waren hübsche Jungs und ich habe da an die Tür geklopft und sie haben gefragt: Wer? und ich so: Ich. Und sie dann so: Ja. Kurz. Und ich bin rein und habe auch Whiskey bekommen und durfte länger bleiben.  Wir haben gepokert und dann die Sarabande gehört und noch mehr Whiskey getrunken und dann die Sarabande getanzt und dann sind wir zu den Death Metal Jungs rüber und haben weiter getrunken und Death Metal gehört und irgendwann habe ich dann in die Dusche gekotzt und eine halbe Stunde in Klamotten kalt geduscht um wieder nüchtern zu werden, aber es war ein cooler Abend und ich war froh, dass außer mir keine Frau dabei war.

Das ist meine Meinung zum Thema Sexismus im Literaturbetrieb. Ich hoffe, sie ist schön.

 

 

 

 

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Published on: August 2, 2017

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