Denk ich an Deutschland in der Nacht

Heute stand “Denk ich an Deutschland in der Nacht” von Romuald Karmakar auf dem Programm. Beginn 10:00 im Cinestar 7. Ein Dokumentarfilm über 5 Techno DJs, bzw. über fünf “Pioniere der elektronischen Musik”, wie es in der Berlinale Filmzusammenfassung steht. In Deutschland muss ja immer gleich alles Pionier sein. “Denk ich an Deutschland in der Nacht”. Ist das nicht ein BISSCHEN prätentiös als Filmtitel? Na gut, Karmakar war nie der Unprätentiöseste, aber ich mag ihn, also ich kenn ihn ja nicht persönlich, aber ich fand den damaligen Berlinale Skandalfilm, der ihm das Genick gebrochen hat, nachdem er nichts Fiktionales mehr drehen durfte, “Die Stille nach dem Schuss”, nein, auch irgendwas mit Nacht, ich habs, “Die Nacht singt ihre Lieder”, den fand ich sehr sehr gut.
Aus irgendeinem Grund wurde dieser erste gute deutsche Film seit Langem geradezu gehasst und die Journalisten überboten sich auf der Pressekonferenz in höhnischen Fragen, die er zunehmend gereizt, bzw. verstockt und uncharmant beantwortete, was ich aber auch wieder sehr gut fand. Ein Journalist sagte, dass er an Stellen gelacht habe, an denen es der Regisseur bestimmt nicht vorgesehen hätte und was er, Karmakar, denn dazu sagen würde und Karmakar antwortete “Sie brauchen doch keine Erlaubnis von mir, ob Sie lachen dürfen oder nicht” und stellte den Journalisten damit auf geniale Art bloß, ihn, sowie das gesamte deutsche Feuilleton, dass Erlaubnisse zum Lachen und also zum Denken braucht. Sag ich jetzt mal so. Weiß ich doch nicht, ob das deutsche Feuilleton Erlaubnisse braucht, um zu denken. Ich habe auch schon Karmakars Doku über den DJ T.Raumschmiere gesehen, auch so ein Pionier der elektronischen Musik. Auf dem Filmfestival in Saarbrücken, aber nur die letzte Viertelstunde. T.Raumschmiere ist ja schon ein sehr geiler DJ Name, aber dafür kann Karmakar ja nichts. In “Denk ich an Deutschland in der Nacht” geht es um Ricardo Villalobos (Doofer DJ Name), Sonja Moonear (doofer DJ Name) Ata, (doofer DJ Name, wie das DDR Putzmittel, doofer DDR Putzmittelname) Roman Flügel, David Moufang, Move D (Doofe DJ Namen) In langen ungeschnittenen Einstellungen und 105 Minuten lang, ist vielleicht eine etwas harte Packung für früh um zehn, ich bin noch gar nicht richtig wach. Ist gestern Abend wieder spät geworden, weil ich meinen Account bei einem großen amerikanischen Streaminganbieter reaktiviert habe, bzw. bei einem Pionier der elektronischen Bildübertragung und eine neue Serie angefangen habe. Riverdale. Alle sind irgendwie hässlich in Riverdale, sollen aber schön sein, andererseits sind sie auch schön, weil nicht so glatt, aber hässlich, weil zu schön und in allen Gesichtern ist irgendwas ein bisschen zu groß oder ein bisschen zu schief oder ein bisschen zu süß, und die Mädchen tragen alle zu viel Make Up, dabei sind sie doch erst 18 und Sex gibt es nur verboten und Amerika ist immer noch Sehnsuchtsort und irgendwie hat man Mitleid mit denen, wegen der ganzen Schuld, da sind sie schlimmer als die Deutschen und der einzige Lichtblick in diesem Leben zwischen Cheerleading und Folgen von schuldhaftem verbotenen Sex, eigentlich nichtmal Sex nur Küssen ist, Hamburger im Diner essen oder Milchshakes trinken. Weiche fettige Nahrung. Eigentlich will ich nur wegen der Diners in die USA, aber ich trau mich nicht mehr hin, weil man jetzt sein Facebook Passwort preisgeben muss, wenn man in die USA will. Mein “Smartphone” würde ich gar nicht erst mitnehmen, dann können sie es an der Grenze nicht beschlagnahmen, ich würde mir ein neues in New York kaufen, aber ich will gar nicht nach New York, sondern in eine Kleinstadt und da ins Diner gehen, die haben 24 Stunden auf, genau das Richtige zum Runterkommen, warum gibts hier sowas nicht? Der Karmakar Film ist ausverkauft, steht auf der Berlinale Webseite, man könnte natürlich trotzdem hinfahren und versuchen noch ein Ticket zu bekommen, aber schon wieder ist die Hemmschwelle relativ hoch, wegen U-Bahnfahren und Potsdamer Platz und dem Risiko einer Einsamkeits und Depressionssituation, wenn ich kein Ticket bekomme, oder wenn ich eins bekomme und dann ganz allein im Kino bin. Und dann ganz allein aus dem Kino rauskomme. Und es ist kalt und ich habe Hunger und laufe dann sinnlos in den Arkaden rum oder hole mir was am “Streetfood Truck”, die sollen ja jetzt da herumstehen um die schwierige Versorgungssituation wähjrend der Berlinale aufzulockern, aber ich fühle mich zu jung um mir Essen an einem “Streetfood Truck” zu kaufen und ginge dann doch lieber wieder zu einem großen amerikanischen Fastfood- Restaurant, bzw. zu einem “Pionier der amerikanischen Speisenzubereitung”. Guten Appetit!
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Published on: Februar 14, 2017

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