Text

Das Aldebaran Gebet

Oh Frühling, endlich bist du da. Du Brad Pitt der Jahreszeiten. Wegen dir bin ich mal nicht nach Hause gegangen, sondern ins Detail. Aber dann bin ich doch wieder nach Hause gegangen und habe endlich mal wieder die Spürmaschine ausgeräumt. Und leider auch wieder eingeräumt. Und wieder ausgeräumt. Ich kann gerade nicht anders, es ist schrecklich. Ich habe den Badezimmerfußboden mit einem Schwamm geputzt, auf allen Vieren. Dann habe ich das Bett neu bezogen, mich ausgezogen und hineingelegt. Obwohl er gar nicht da war! Ich werde ferngesteuert. Aber wie kann das sein? Mein Buchprojekt “Menschen fernsteuern mit Quantenresonanz und endlich die große Liebe finden” hat der Tellkamp Verlag doch abgelehnt.

Also keiner ist bei mir und keiner steuert mich fern und ich bin ganz allein und ganz einsam und ich liege im Bett und ich bin so traurig und schlafe erstmal 24 Stunden schönstes Frühlingswetter weg. Wache erst wieder auf, als es dunkel wird. Draußen schneit es. Aber Nacht ist für mich auch Tag. Tag ohne Sonne eben. Um einen klaren Kopf zu bekommen und meine Materie selber fernzusteuern, mache ich Yoga. Aber nicht das Sonnengebet. Ich mache am liebsten das Aldebarangebet, das braucht man nämlich nur einmal zu machen. Das Aldebarangebet geht so:

Komm an den Anfang deiner Yogamatte.

Atme tief ein, fülle die Leere in dir mit der Leere von draußen, puste dich richtig auf, verhalte dich wie eine leere Shampooflasche, die man unter Wasser hält und mit der Ausatmung leite das Armageddon ein. Alle sterben. Alle sind jetzt tot. Außer du.

Atme wieder tief ein und hebe die Hände seitwärts über den Körper. Atme vollständig aus, bring die Hände vor die Brust und vergiss alles was je gewesen ist. Lass los. Mit der Einatmung komm in die ganze Vorbeuge. Deine Beine sind gestreckt, deine Hände berühren den Boden. Stell dir nicht vor, dass jemand den du liebst, dich von hinten fickt, das wird nämlich niemals wieder passieren. Spüre, wie deine Tränen deine Wangen hinunterlaufen. Mit der Ausatmung tritt oder spring in die schiefe Ebene. Ellenbogen eng am Körper. Halte fünf Atemzüge lang. Spüre, wie sehr du alles hasst, was jetzt tot und vergessen ist. Wunderbar. Leg ab. Kleine Kobra,große Kobra, Blindschleiche, Regenwurm, Ringelnatter. Überwinde deinen Kotzreiz, sieh nach vorn, auf die Asche und die Ruinen ringsherum. Spüre den kalten Wind und sieh in die ewige Dunkelheit. Atme ein. Mit der Ausatmung bringe den linken Fuß nach vorn, zwischen die Hände. Heb dein rechtes Bein. Berühre deinen Scheitel mit deinem Fuß. Tritt kräftig zu. Drücke deinen Kopf in das, was mal dein Laminatboden war. Durchdringe mit deinen Zehen deine Schädeldecke. Spüre wie weich dein Gehirn ist. Lösch dich. Bleib so fünf Atemzüge lang. Stelle den Fuß wieder zurück. Komm in die ganze Vorbeuge. Stell dir nicht vor, das jemand den du liebst, dich von hinten fickt, das wird nämlich niemals wieder passieren. Richte dich langsam wieder auf, hebe die Arme seitlich über den Kopf.

Ausatmen, Hände vors Herz. Berghaltung Thadassana. Bleib im Fluss. Kämm dir die Haare und schau nie wieder auf dein Handy. Atme ein. Spür die Energie, die du gerade freigesetzt hast. Bedank dich bei dir selbst. Abonnier meinen Kanal. Namasté.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.