Damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeissen koennen

Irgendwann habe ich mich gewundert und mich gefragt, ob ich jetzt einen neuen Fetisch habe. Weil ich in letzter Zeit nur noch mit alten Typen im Bett war. Bis es mir eingefallen ist: Verdammt, ich bin doch selber alt. Die sind meine Generation. Ich fick welche mit Bart, welche mit Glatze, welche mit Brille.

Mich stört sowas ja nicht. Ich bin nur überrascht. War ich es doch gewohnt, über volles Haar zu streichen und mich von straffen Armen umfangen zu lassen. Ungestüm genommen zu werden. Und nun auf einmal: sicher, langsam und bedacht. Erstmal reden. Erstmal ausziehen. Nicht einfach so übereinander herfallen. Erstmal noch ein Schluck Wein. Erstmal noch was reden und eine rauchen. Erstmal hinlegen. Und dann alles in aller Ruhe. Und zwar alles. Schweinereien auf die man früher nie gekommen wäre. Nicht nach 15 Minuten Gestoße schon fertig. Nee. Alles Mögliche andere und viel viel mehr und viel viel länger. Zwischendurch Pausen. Noch mal andere Musik. Noch mal pinkeln gehen. Noch mal Wasser trinken, noch mal Emails checken, noch mal Teechen kochen, sich Notizen machen, was basteln, eine rauchen, Brille putzen.

Überhaupt Brillen. Brillen werden ständig auf und abgesetzt und verlegt. Dann muss man denen sagen, wo sie ist, egal wie lange man den Typen kennt. Immer muss man dem sagen, wo er seine Brille hingelegt hat und das Feuerzeug und den Dildo und das Gleitgel, die Handschellen, den Schlüssel für die Handschellen, das Poppers, den Joint. Alte Männer sind auch immer untenrum rasiert, damit man die grauen Haare am Sack nicht sieht.

Nach dem Ejakulieren klagen sie über  verschiedene Leiden: Eintrübung auf dem linken Auge. Schmerzen in der Hüfte. Kopfweh.

Mir gehts ja selber auch nicht besser: Nach dem Orgasmus: Kreislaufprobleme. Auf dem Weg zum Klo Blackout. Fiepen im Ohr, wacklige Beine. Muss mich zum Bett zurück führen lassen.

Ja, wir Senioren müssen die Dinge etwas langsamer angehen.

Früher wars so: einfach besinnungslos und planlos vögeln und dann einschlafen. Am Morgen gabs einen Snack, einen Kaffee und ein Küsschen und man ist dann so nach Hause geschwebt.

Bei uns alten Menschen dauert der Sex länger, fühlt sich auch besser an, aber danach rufen die Pflichten: Familie, Job, Psychostress.

Am besten wäre es: Sich nach dem Orgasmus einfach in Luft aufzulösen. Macht man auch und lässt deswegen dauernd überall was liegen. Ketten, Ringe, Kreditkarten, Mützen, Ohrringe, Schals.

Unter meinem Bett sammeln sich die Zahnprothesen und hinter der Tür die Krückstöcke meiner Liebhaber. Im Medizinschränkchen stapeln sich die vergessenen Blutdrucksenkerpillen der Opas und unten auf dem Hof ihre Rollatoren. Nein, das ist nicht romantisch. Und ja klar, fühle ich mich schuldig, wenn ihnen nach dem Ficken der Rücken wehtut und sie vom Lecken Nackensteife bekommen haben.

“Ey, du hast deinen Krückstock vergessen.” smse ich ihnen nach ein paar Tagen, bekomme aber keine Antwort, weil sie Angst haben, dass ich sonst auf falsche Gedanken komme. Macht mir nix aus. Ich kann sie ja verstehen. Was man bei all der Fickerei niemals vergessen darf:

Das Wichtigste im Leben ist, einsam zu sterben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.