Cocktails mixen- leicht gemacht

Man dürfe beim Lesen kein Wurstbrot essen, hat sie gesagt, die Dame aus der Bibliothek als ich ein Kind war,  und auch keine Eselsohren reinmachen und das Buch nicht aufgeschlagen auf den Bauch legen und nichts reinschreiben und auch keine Sätze unterstreichen.
Wie soll ich denn lesen, ohne zu essen? Wie soll ich denn wissen, wo ich war, ohne Eselsohren. Wie soll ich denn das Buch sonst hinlegen, wenn nicht aufgeschlagen auf den Bauch? Etwa zuklappen? Ohne Eselsohren? Mit so einem selbstgebastelten Lesezeichen drin. Nein, das geht nicht.

Man darf das aber nicht mit Büchern machen und mit welchen aus der Bibliothek schon gar nicht. Weil man die zurückgeben muss. Wenn man die nicht zurück gibt, muss man Strafe bezahlen. Ich will sowieso keine Bibliotheksbücher lesen. Aus demselben Grund, aus dem ich mir keine DVDs ansehen möchte. Ich will nur frisches Medium konsumieren. Am besten live. So wie Internet, oder Fernsehen, oder wenigstens Streaming. Wenn ein Buch in der Bibliothek landet, muss man es ja erstmal totschlagen. Also archivieren, katalogisieren, nummerieren. Dabei geht die ganze Energie raus. Da muss man das Buch erst in einen Orgonakkumulator stecken und zwar genau 33 einhalb Stunden lang, um es zu revitalisieren. Außerdem habe ich bestimmt schon ein paar hundert Mark an deutsche Bibliotheken bezahlt. Mit dem Geld könnte ich eine neue Bibliothek bauen lassen. Eine Bibliothek, die meinen Namen trägt. Obama lässt ja auch eine Bibliothek bauen, eine Presidential Library für 450 Millionen Dollar.
450 Millionen Dollar! Das ist ja teurer, als eine ganze Stadt, teurer als ein Flughafen. Was soll denn das für 1 Bibliothek sein vong Inhalt her? Aus purem Gold? Oder eine, wo man die Bücher nicht zurückgeben muss. Vielleicht wird das auch keine Bibliothek, sondern ein Mausoleum. Eine Pyramide und innen drin dann der tote Obama, einbalsamiert, von wertvollen Schätzen umgeben. Irgendwas von Tiffany`s oder Swarowski Kristall Quatsch. Alle Ex US Präsidenten bauen Bibliotheken. Das muss so sein. In Deutschland aber werden Flughäfen nach toten Politikern benannt, keine Bibliotheken. Franz Josef Strauss, Willy Brandt. Und JFK in New York natürlich. Flughäfen, tote Präsidenten und Bibliotheken. Ein weites Feld. Bekommen wir auch endlich bald einen Flughafen: Dr. Helmut Kohl?
„Wo kommst du an? Auf Helmut Kohl oder auf Helmut Schmidt?“ „Auf Helmut Schmidt, leider, der ist so schlecht angebunden. Helmut Kohl wär besser, der hat ne U- Bahn Station.“
Ich bin früher oft umgezogen und habe dann drei Jahre das Bibliotheksbuch: „Cocktails mixen- leicht gemacht“ behalten. Anstatt mich in Ruhe zu lassen, haben sie mich mit Briefen verfolgt und irgendwann wollten sie dann über 300 Mark gerichtlich einklagen. Ich habe dann angerufen und gesagt, dass ich kein Geld habe und ich war ja auch noch ganz jung und deswegen sollte ich das Buch persönlich zurückgeben in der Hauptbibliothek von Berlin. Ich habe dann einen Termin bekommen und wurde in ein Hinterzimmer voller Bücher geleitet und da musste ich unterschreiben, wo meine Seele nach meinem Tod hin soll, nämlich in den Himmel und die haben auch was unterschrieben und das Verfahren wurde gegen Zahlung von 12 Mark eingestellt. Drei Jahre Psychoterror und schlaflose Nächte fanden so ihr erfreuliches Ende. Danach schwebte ich ins Freie und schwor mir, niemals wieder eine Bibliothek zu betreten, bzw. nie wieder ein Buch auszuleihen. Ich habe es dann doch getan und es ging bisher immer schief. Horror ohne Ende.
Ich kann nur jedem raten, sich nie in einer Bibliothek anzumelden. Erstens stinkt es in Bibliotheken nach Papier und fremden Menschen. Die Bibliotheksmitarbeiter

sind böse. Ich würde mich nie einem anvertrauen und ihn nach einem Buch fragen. Soll ich etwa sagen: Einmal 50 Shades of Grey und einmal Finis Germaniae bitte? Neinneinnein, ich will mir immer noch selber aussuchen, woran ich sozial sterbe. Zum Glück gibt es online Datenbanken und online Versandhändler und man braucht sich wegen Gedrucktem keinem lebenden Menschen mehr anzuvertrauen.

Wer will schon mit Bibliothekaren sprechen? Niemand. Deswegen sind sie ja überhaupt Bibliothekare geworden. Sie sind unattraktiv, menschenfeindlich und haben keine Freunde? Werden Sie Bibliothekar! Ich halte mich von denen fern. Aber ich halte mich sowieso von Menschen fern. Lade mich auf deinen Geburtstag ein. Ich komme nicht. Ruf mich an. Ich rufe nicht zurück. Schreib mir eine Mail. Ich antworte nicht.

Ach Gott, wer interessiert sich schon für Bibliotheken? Niemand! Aber ich denke lieber über Bibliotheken nach, als darüber, ob meine Nachbarn der richtigen religiösen Strömung angehören, oder was ich im Ramadan essen darf, oder womit eine Frau sich verhüllen sollte, oder ob ich heute schon gebetet habe, oder wie ich mir vorm Beten die Füße waschen kann, oder wo ich hin beten muss, oder ob die Saudis schlimmer sind als die Juden, oder ob die Schiiten schlimmer sind als die Ungläubigen oder ob jemand meine Religion falsch auslegt und ich mich davon distanzieren muss, oder wen ich heiraten darf und ob ich meinen Eltern gehorchen muss, oder ob meine Schwester sich anständig benimmt, oder ob die Familienehre auf dem Spiel steht, oder oder oder. Ich glaube an nichts und muss deswegen niemanden in die Luft sprengen, nicht mal mich selber, ist das nicht wunderschön?

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Published on: Juni 20, 2017

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