Text

Autisten, Messies und Minimalisten

Es gibt ja Messie- Menschen und Minimalismus- Menschen. Die Messie- Menschen melden sich ab und zu bei mir, weil sie mich ja vielleicht irgendwann noch mal brauchen könnten, die Minimalisten melden sich nach einmaligem Gebrauch nicht mehr.

Ich bin anders. Ich bin hyperaktiver Autist mit Aufmerksamkeitsstörung und narzisstischem Borderlinesyndrom. Ich bekomme also gar nichts mit.

Irgendwelche Leute schwirren doch sowieso immer um mich rum. Ich kenne ihre Namen nicht. Wenn man mir Typen vorstellen will, sage ich immer: Keine Namen bitte. Ich sehe den doch eh nie wieder.

Aber manchmal entstehen deswegen unangenehme Situationen. Aber die bekomme ich auch nicht mit.

Dann ist es so:

Jemand sagt was zu mir, ich verstehe nix und sage nur so: Hm jaja. Und der andere: Wirklich??? Und ich wieder so: Hm hm jaja.

Ich will nicht nachfragen, worum es geht, lohnt sich doch meistens gar nicht. Dann werde ich komisch angesehen und dann lächle ich. Und der andere sagt dann: Warum lächelst du? Und ich sage dann: Weil du mich so komisch ansiehst.

Deswegen ist es besser, man lässt mich erzählen und hört mir zu, denn wenn man mir was erzählt, verstehe ich das doch sowieso nicht. Aber nachts liege ich wach und kann nicht schlafen, wegen der Ungerechtigkeit der Welt:

Du erzählst mir was und ich verstehe es nicht. Ich denke an dich, aber du denkst nicht an mich. Ich höre Britney Spears, aber Britney Spears hört mich nicht. Ich sehe einen Film über Peter Handke, aber Peter Handke schaut keinen Film über mich.

Kafka hat über dieses Feeling ganze Romane geschrieben. Heute wären die bestimmt gleich verboten, wegen Hate Speech. Wenn man sexistische Sprüche von Kafka an Hochschulwände schriebe, dann würden die bestimmt überpinselt werden. Von mir aus sollte man sowieso gar nichts an Wände schreiben. Keine Gedichte, keine Sprüche, kein Graffiti. Warum wollen alle immer irgendwelche Wände vollschreiben? Lasst das doch einfach. Aber was weiß ich schon.

Ich mache sowieso alles falsch. Ich sollte mehr wie Aschenputtel sein. Also vor Mitternacht nach Hause gehen. Aber ich bleibe ja immer bis zum Schluss. Gebe dem Prinzen sofort alles, was er will und vergesse nie meinen Schuh.

Dafür bin ich aus Zucker. Ich vertrage gar nichts. Keine Kritik, keine Zurückweisung etcetera. Man muss mich unheimlich respektvoll und sorgfältig behandeln, wenn ich mich dem schönsten Wesen, das diesen Erdboden je betreten hat, zu Füßen werfe und schreie: Bitte tritt mich.

Aber das schönste Wesen, das den Erdboden je betreten hat, hat mich nicht getreten, es hat gesagt, dass ich zu viel nachdenke und jetzt grüble ich die ganze Zeit, wie es das wohl gemeint hat?

2 Gedanken zu „Autisten, Messies und Minimalisten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.