Wirtschaftsfaktor

Warum nicht? Wenn du es dir leisten kannst: Fülle eine Baulücke mit gutem Geschmack. Bodentiefe Fenster, Fußbodenheizung, ebenerdige Dusche, Sichtbetonwände in Kontrast mit antiken Möbeln, aber auch Designklassikern.
Sich nackt vor den Kamin legen. Oder auf der Dachterrasse das Olivenbäumchen in den Windschatten schieben.
In der Abendsonne Aperol Spritz trinken und den Blick über die Stadtlandschaft schweifen lassen. Von ganz weit oben.
Bachkantaten hören und in einem Kunstband blättern.
Endlich raus aus der Mietwohnung, alles hinter sich lassen, das Klein Klein von Straßenlärm, Nachbarn und unerwünschter Post.
Teil der neuen Zone werden. Zu den anderen kommen. Mitmachen. Einen Bart tragen. Einen Hund haben. Range Rover fahren. Aus Berlin Mitte nach Berlin Oben. Mitte ist sowieso tot. Wachsfiguren und Leichen, Mittelaltergruften und Fische.
Die alten Bonzen bauten ein Forum und nannten es Palast, die neuen bauen ein Schloss und nennen es Forum.
Wir sind New York. Jeder Tag baut ein neues Haus. Jeder Tag dämmt ein altes. Wegen der Energieeffizienz. Styropor rettet den Planeten.
Ja, es gibt noch begehbare Orte, Ecken in denen sich das Leben versteckt, so wie kühle Luft in einer Hofeinfahrt, an einem heißen Sommertag. Aber nicht mehr lange. Ja, Veränderung tut weh. Wir werden nicht mehr zusammen alt, wir werden nur noch alt.

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