Auf Patrouille

An manchen Tagen möchte ich was kaputt machen. Liegt das am Wetter oder an den Leuten? Ich ärgere ich mich über drei Spanierinnen, die auf unseren Hinterhof gelaufen kommen. Mit Leggings, T- Shirt und Sonnenbrille. X- beinig stehen sie herum und die eine dreht sich einmal im Kreis. Filmt unseren Hof mit ihrem Smartphone. Ich stelle mich in aggressive Pose und glotze grimmig in ihren Snapchat. Haben die noch nie einen Hof gesehen? Mülltonnen und eine Sitzbank? Sind die krank? Dann schließt meine Nachbarin ihr Fahrrad an und ich höre ihre Antwort auf mein „Hallo“ nicht. Sie hat vielleicht etwas gemurmelt, vielleicht aber auch nicht. Ich hasse sowas.
„Hast du mich etwa gerade nicht gegrüßt?“ frage ich. „Doch, ich habe Hallo gesagt.“ Sie spricht schon wieder so leise.
„Beim nächsten Mal bitte etwas lauter! Wegtreten!“ Ich hänge  mir mein selbstgemaltes Plakat um: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu!“ steht darauf. Ich gehe auf Patrouille um den Block. Der Ärger ist wieder mal groß. Fahrradfahrer auf dem Bürgersteig, Fußgänger auf dem Fahrradweg,  Autos auf dem Fahrradweg, Fußgänger auf der Fahrbahn. Fußgänger, die ohne zu gucken, mit Kopfhörern am Ohr und Sonnenbrille auf, schräg die Straße überqueren. Sie taumeln durch die Gegend, wie betrunkene Schmetterlinge und führen laute Handytelefonate mit der Freisprecheinrichtung.  Alle stehen allen im Weg rum, die ganze Zeit. Man müsste ihnen eine Lektion erteilen, damit sie aufwachen. Es ihnen mal so richtig zeigen. Fußgänger anfahren, Radfahrer schubsen, Autos kratzen, Hunde treten, Kinder anbrüllen. Mich glotzen sie an mit meinem Plakat, machen sogar Fotos. Aber das bin ich gewohnt. Ich fotografiere zurück, dann lassen die das ganz schnell bleiben. Ein Hund bellt, ein Kind weint, die Leute haben ihre Leben nicht im Griff. Ich hebe Kippen auf, Bonbonpapier, benutzte Taschentücher und stopfe sie in einen der orangefarbenen Straßenmülleimer. Die sind auch schon wieder am Überquellen. Auf dem Mülleimer wieder so ein ironischer Spruch: „We kehr for you. Glänzlberg. Eimer für alle.“ Es ist so erbärmlich. Wasserbetriebe, BVG und Müllabfuhr zwinkern uns die ganze Zeit zu. Wollen gut gefunden werden. Ich will die aber nicht gut finden, ich will gar nicht an die denken. Ich schreibe mir doch auch nichts Ironisches aufs Klo. Oder soll ich da etwa „Kackstation“ draufschreiben? Oder „Inpisskret?“. Aaah, es ist nicht zum Aushalten.  Ich ziehe mich in meine Loftetage zurück und öffne die Fenster. Es quietscht. Der Nachbar poliert mal wieder seine Balkongarnitur aus Teakholz. Dann kurbelt er den Sonnenschirm auf und dann raschelt es so laut, wenn er die Seiten vom Zeit- Feuilleton umblättert. Manchmal halte ich das alles einfach nicht mehr aus.

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Published on: Mai 30, 2016

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