APOKALYPSE 4 EVER

Ich hatte ja schon immer Angst vor dem Weltuntergang. Früher wars wegen der BOMBE. Anfang der 80er quälten sie uns Kinder mit der atomaren Bedrohung. 

Udo Lindenberg ließ singen: 

“Keiner will sterben/ das ist doch klar: 

Wozu sind Kriege da? 

Herr Präsident, ich bin jetzt zehn Jahre alt

Und ich fürchte mich in diesem Atomraketenwald

Sag mir die Wahrheit, sag mir das jetzt

Wofür wird mein Leben auf’s Spiel gesetzt?”

Erwachsene erklärten mir gerne ganz genau, was mit Menschen passiert, die sich im Umkreis einer abgeworfenen Atombombe aufhalten. Entsetzliche Dinge. Man konnte auch Berichte in den Schulbüchern lesen: Wie jemand in Hiroshima am Fenster stand, an einem Sommertag und dann fiel das Ding vom Himmel. Wer nicht schnell genug wegrannte, der schmolz. Und übrig blieb nur ein Schatten auf dem kochenden Asphalt. Daher übte ich das auf dem Schulweg. Schnell wegrennen, wenn die Bombe kommt. Ich war ja schnell genug, aber was war mit Mama und Oma?

Aber Rennen würde nicht immer helfen können.

Es gab auch Bomben, von denen konnte eine auf einen Schlag die gesamte Erde mitsamt Menschheit und allem 15 mal und mehr auslöschen.

Wir lernten in der Schule Origami- Kraniche zu falten, Kraniche für den Frieden. Aber würden 1000 Stück genügen, um den Atomkrieg abzuwenden? Außerdem: Mama bezeichnete mich damals gerne als “ungeschicktes Ding”, daher bekam ich leider keinen einzigen hin.

Oma fuhr mit mir in die hohe Tatra und ging abends mit den Leuten aus der Reisegruppe an der Hotelbar Martini trinken. Ich lag wach im Hotelzimmer und stellte mir vor, dass währenddessen in Berlin die Bombe fiel. Weil irgendein böser Politiker, Ronald Reagan wahrscheinlich, aus Versehen mit Absicht, den roten Knopf gedrückt hatte. Während ich in der hohen Tatra im Hotelbett lag, zerschmolz Mama zuhause auf dem Asphalt in der Klement- Gottwalt- Allee. 

Ich gruselte mich in den Schlaf und konnte Oma nichts von meiner Angst sagen, zu groß war die Bedrohung. Unaussprechlich. Ich konnte doch nicht sagen: Oma ich habe Angst, dass sie eine Atombombe über Berlin abwerfen und die Mama auf den Kopf fällt.

Im Musikunterricht spielten sie uns dann die Puhdys vor. 

“Das Buch.”

Das Lied fing so an:

“Stell dir vor, irgendwo gibt es einen Planeten,

Auf dem intelligente Wesen leben.

Sie sehen vielleicht genauso aus wie wir.

Und auf diesem Planeten gibt es Bibliotheken,

Voll mit Büchern, geschrieben von Dichtern, Philosophen und Wissenschaftlern,

Und vielleicht, wenn auf der Welt der Haß und die Gier so groß werden,

Dass nichts, aber auch nichts mehr sie retten kann, dann vielleicht

Gibt es dort auch ein Buch, das heißt: Der Untergang der Erde.

Es wird über uns berichten, über unser Leben, über unsern Tod

Und über Feuer, das so groß war, dass keine Tränen es löschen

Konnten bis hin zur letzten Sekunde, als die Erde aufhörte zu existieren.”

Und hörte so auf:

“Und wer da will, dass die Erde nie mehr weint/

 wer sich mit uns gegen Strahlentod vereint/

 der sorgt dafür, dass dieses Buch niemals erscheint”

Aber wie nur, wie? Es gab noch kein Fridays for Future. Es gab nur Papierkraniche und stumme Angst.

Die Zeiten sind vorbei. Keiner hat die Bombe abgeworfen. Danach kamen der saure Regen, das Waldsterben, das Ozonloch und Tschernobyl. 

Nichts ist passiert. Ich lebe immer noch. Mir und den Kindern gehts Gott sei Dank, prima. Deswegen kann mir niemand erzählen, dass ein bis zwei Grad mehr, irgendwo am Nordpol, das Ende der Menschheit bedeuten sollen. 

Insofern tuts mir leid. Ich bin für Nachhaltigkeit nicht zu haben. Ich benutze Flugzeuge nur einmal und werfe sie dann weg. Vor Greta Thunberg habe ich mehr Angst, als vor dem Klimawandel. 

Was mich wirklich killt ist, wenn jemand meine Liebe nicht erwidert und dass ich bis jetzt immer noch nicht reich und berühmt geworden bin. 

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