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Laminat

Wir sind ja mal in eine total unrenovierte Wohnung gezogen. Auf dem Boden gab es abgetretenes, teilweise löchriges Linoleum, welches Parkett imitieren sollte. Wir hatten auch damals nicht viel Geld. Ich mag ja auch kein Laminat, aber ich war dafür, welches zu kaufen, weil es billig ist und ordentlich aussieht.

Mein Freund P. hielt mich davon ab. Zum Glück. Laminat ist eklig. Wir gaben uns mit dem löchrigen Linoleum zufrieden. P. überredete mich, für das kleinste Zimmer in dem unsere Tochter wohnen würde, Parkett zu kaufen. Ich recherchierte und fand: Klickparkett, Eiche unbehandelt, zu einem günstigen Preis. Dazu brauchte man noch Dämmung, also grüne Platten aus einer Art hartem Schaumgummi, die man unter dem Klickparkett verlegen sollte, und Scheuerleisten.

Wir kauften alles und schleppten es zu zweit in den in den 4. Stock hinauf. Dann bestellte ich Damian, der uns vorrechnete, dass es noch mal mindestens 300 Euro kosten würde, das professionell zu verlegen. Ich saß neben P. auf dem Boden (auf dem löchrigen Linoleum) und Damian stand vor uns, in der geöffneten Tür des kleinen Zimmers meiner Tochter, das etwa 15 Quadratmeter groß war. Damian warnte uns eindringlich davor, es selbst zu machen. Weil man darauf achten müsste, dass der Boden unter dem Parkett absolut eben sei. Weil man die ersten zwei Reihen des Parketts noch gut klicken könnte, dass aber danach der Druck nicht ausreichen würde, weil die Wand schon so weit entfernt sei und daher würden Lücken zwischen den Parkettreihen entstehen und in denen würde sich Staub sammeln. Außerdem müsste man das Parkett nach dem Verlegen regelmäßig ölen, das heißt, ungefähr einmal die Woche. Und zwar in zwei Durchgängen. Nach dem Ölen dürfte man das Zimmer nicht mehr betreten, bis das Öl in das Parkett eingezogen sei. 

Ich bedankte mich bei Damian und sagte, wir würden uns bei ihm melden. Ich war von seiner Argumentation überzeugt und überlegte, wie ich das Geld auftreiben könnte, aber P. hielt mich davon ab. Schon ein paar Tage später verlegte P. das Parkett. Das Zimmer sah gut aus, trotz der Lücken, die zwischen den Parkettelementen geblieben waren und in denen sich alsbald der Staub sammelte. P. kam nie dazu, die Scheuerleisten zu verlegen. Sie lehnten die nächsten Jahre in der Ecke hinterm Kleiderschrank. P.sprach oft davon, dass man das Parkett ölen müsste, er tat es aber nie und ich auch nicht. Trotzdem: Es sah sehr schön aus, wenn ich den Staub aus den Fugen gesaugt hatte. 

Als wir umzogen, stellten wir das Parkett erstmal in den Keller, denn das Zimmer unserer Tochter war in der neuen Wohnung größer. Der Boden in der neuen Wohnung war ok. Gelbliches Linoleum. Neu.

Regal

P. wollte aber das Parkett unbedingt wieder verlegen. Dass bedeutete, wir müssten Parkett und Dämmung und Scheuerleisten dazu kaufen. Und außerdem berechnen, wieviel wir noch bräuchten. Dazu kam, dass das neue Zimmer eine schräge Rückwand hatte, die weitere Berechnungen erfordern würde. P. ließ sich davon nicht abschrecken. Er wollte das Parkett verlegen und erst danach das Hochbett und die Regale aufbauen. Das Hochbett hatte in der alten Wohnung im Zimmer der großen Kinder gestanden und nun sollte es unsere kleine Tochter bekommen.

P. hatte aber beim Abbau eine wichtige tragende Leiste zerbrochen und ich war sowieso nicht dafür, es wieder aufzubauen. Ich hatte aber aufgegeben, mit P. darüber zu diskutieren und beschloss, ihm bei seinen Gestaltungsplänen freie Hand zu lassen.

Im Januar waren wir eingezogen und bis das Parkett verlegt und Hochbett und Regale aufgebaut sein würden, schlief unsere Tochter auf einer Matratze am Boden. Die Kleider, Bücher und Spielzeuge blieben vorerst in den Kisten. Ende Februar fragte ich P. wann er das Parkettprojekt angehen würde. Ich bot ihm auch widerstrebend Hilfe an. Zu berechnen, wieviel Parkett und Dämmung und Scheuerleisten wir noch brauchen würden, überforderte mich aber.

Wir hatten auch immer noch nicht sehr viel Geld und ich hatte Zweifel, wie wir das fehlende Parkett bezahlen sollten. Außerdem erinnerte ich mich an Damians Worte, der uns eigentlich dringend davon abgeraten hatte, das Parkett selbst zu verlegen. (wegen der Lücken) Was in dem kleineren Zimmer noch ok gewesen war. Aber in dem größeren?  P. ließ weitere Wochen verstreichen, ohne wegen Parkett und/oder Hochbett und/ oder Regalen in Aktion zu treten.

Schließlich setzte ich ihm ein Ultimatum bis Ende März. P. tat nichts. Ich kaufte ohne P. zu informieren, meiner Tochter ein normales Holzbett, als ich feststellte, dass die auf dem nackten Boden liegende Matratze anfing zu schimmeln.

Ich hatte sowieso nach wie vor Zweifel, dass das riesige Hochbett im Keller, das 1,80 Höhe hatte, für unsere dreijährige Tochter geeignet sei. Weil P. anderer Meinung war, musste ich das neue Bett für unsere Tochter als es geliefert wurde, allein die Treppe hinauftragen und aufbauen. Da ich schon im Schwung war, schraubte ich die Regale zusammen und räumte sie ein. 

Als P. am Abend nach Hause kam und das neue Bett und die aufgebauten Regale sah, war er schwer beleidigt. Er fühlte sich kastriert, weil ich ihn das Parkett nicht hatte verlegen lassen. Oder verlegen hatte lassen? Aber das Zimmer sah ordentlich aus, unsere Tochter freute sich über das neue Bett und Hochbett und Parkett stehen immer noch im Keller und warten auf P. und ihren großen Tag.

 

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