Ich will eine Uniform für mich allein und die soll schöner als Eure sein.

Ich wär so gern schlauer. Würde so gern druckreif mit Schlagworten um mich schmeißen können, präzise wie ein Nähmaschinchen schleuderndes Kanönchen. Stattdessen nur Matsch im Kopf. Wie schön wärs, wenn ich zu meiner Kunstproduktion gleich die Theorie mitliefern könnte, wenn mich jemand danach fragen würde, weil ich zehn Jahre jünger wäre und in meiner Kunstproduktion Blut spritzen würde und vergewaltigt und gebrüllt werden würde. Und dann alle so geschockt davon wären, dass sie mich fragen würden, was das soll. Und dann würde ich so losdonnern können, ein Schlagwort nach dem anderen raushauen und Philosophen zitieren und die großen Meister, aber alles nur so anreißen, aber das unheimlich gekonnt. Ich will eine Uniform für mich allein und die soll schöner als Eure sein. weiterlesen

Die Documenta 14 in Kassel

Ich habe ja neulich schon über die Documenta in Athen geschrieben und warum man da nicht hinzufahren braucht, also nach Athen auf jeden Fall, aber nicht zur Documenta, und nach Kassel muss man aber unbedingt.
Denn: Eine argentinische Künstlerin hat auf dem Friedrichsplatz in Kassel den „Parthenon aus verbotenen Büchern“ gebaut, zum Beispiel. Als Zeichen „gegen Zensur“. Ich bin auch gegen Zensur. Und gegen Mord. Mord finde ich echt nicht ok. Aber warum den Parthenon? Warum nicht ein Buch aus verbotenen Büchern? Ach so, wegen des Athen- Bezugs. Und weil sie das gleiche Ding schon 1984 in Argentinien gebaut hat. Eine gute Idee pro Leben sollte ausreichen.
Und in Athen stehen dann die Kasseler Kaskaden nachgebaut aus was anderem Verbotenen? Beschlagnahmten Drogen?
Man könnte auch verbotene Bücher aus Streichhölzern nachbauen, oder abgebrannte Streichhölzer aus beschlagnahmten Drogen, oder beschlagnahmte Drogen aus leeren, eingeschmolzenen Drogentütchen.
Man könnte auch was gegen die Pharmaindustrie machen. Eine Leiche! Also jemand der gestorben ist, weil die Medikamente zu teuer waren, also eine Leiche in Regenbogenfarben, also einen toten afrikanischen Gay, der jetzt tot ist, weil er sich wegen der Pharmaindustrie keine Aidsmedikamente leisten konnte, also ein toter afrikanischer Gay in Regenbogenfarben aus…bunten Pillen!
Oh Mann, ich sollte auch Künstler werden. Was gibts noch in Kassel? Ein Obelisk auf der in vier Sprachen ein Bibel Zitat steht. „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“ also „Kein Mensch ist illegal“ auf türkisch deutsch, englisch und arabisch.
Ich bin total ergriffen von so viel künstlerischem Mut. Ich könnte mir vorstellen, ein Kunstwerk zu schaffen, auf dem „Atomkraft, nein danke“ auf Farsi, Französisch, weißrussisch und deutsch geschrieben steht. In Form einer…SONNENBLUME. Aus Marmor, der aus Plutonium -Brennstäben gepresst wurde, die aus Salz (Gorleben!) nachgebildet wurden, das aus beschlagnahmten Drogen (illegal!) gemahlen wurde.
Aber… Ich trau mich einfach nicht.

Documenta in Athen

Wir sind radioaktiv. Das heißt, wir müssen allein sein. Wir brauchen 10 Quadratkilometer unbewohntes Gebiet um uns herum, sonst verstrahlen wir alles. Allein an einem Stück Mittelmeer. Man darf keine Häuser sehen, keine Autos hören. Nur ein Schiff am Horizont ist erlaubt. Wir wollen den ganzen Tag nackt sein. Nackt in der Sonne und nackt im Schatten. Nackt im Bett, nackt in der Bucht, nackt im Wasser, nackt auf den Klippen. Nackt lesen, nackt baden, nackt rauchen und nie mehr zurückkommen. Wir scherzen, dass dies der perfekte Ort wäre, um unsere Ehe zu retten und das wir unbedingt bald wiederkommen müssen, um weiter unsere Ehe zu retten und wir lachen über Leute, die ihre Ehe retten müssen. Wir müssen uns aber mit Sonnencreme einschmieren und mit Mückenzeugs und wir müssen ins Flugzeug steigen und durch den Sicherheitscheck und gehören die Cockringe, Poppers, Lecktücher, Dildos, Drogentütchen, Kondome und Handschellen ins Handgepäck oder in den Koffer? Wir dürfen im Flugzeug nicht Bombe sagen, auch wenn wir damit nur die heißen Stewardessen meinen. Wir müssen nach Athen. Wir müssen auf die Akropolis und das/ den (?)Parthenon sehen, meint er. Documenta in Athen weiterlesen