Oktober, 2016
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  • Entencurry

    Was habe ich mir damals nach der Wende als Ossi immer einen mit diesen Essstäbchen beim Chinesen abgebrochen. Natürlich musste alles mit Stäbchen gegessen werden und wenn man dann doch mal die Gabel genommen hat, hieß es gleich: Was, du kannst nicht mit Stäbchen essen? Und dann wurde erklärt und die richtige Handhabung gezeigt und hier so mit Daumen und Zeigefinger und dann klipp klapp ist doch ganz einfach. Ich habe es probiert und mir fast die Finger dabei gebrochen und es klappte nicht und es war peinlich und der ganze Reis rutschte auf den Teller zurück und in den Mund bekam man nur ein feuchtes Esstäbchen und das chinesische Essen damals war sowieso immer so glitschig und die schwarze Sauce, also geschmeckt hat das nicht, dieses süßsaure Zeug. Und überall waren Morcheln drauf. Irgendwann hat es dann geklappt, das Mit- Stäbchen- Essen, als ich mir gesagt habe, Handhaltung ist egal, einfach nur irgendwie die Dinger zusammenklemmen und schaufeln, Mund knapp überm Teller, Hauptsache es geht schnell und keiner merkt, dass ich die nicht richtig halten kann und Hauptsache, ich bekomme überhaupt was zu Essen. Da wurde man dann gelobt, ja super, jetzt kannst du es, und ja, es ist wirklich nicht viel dahinter, mit Stäbchen zu essen. Heutzutage ist das chinesische Essen besser, weil es nicht mehr chinesisch ist, sondern vietnamesisch oder Thai und heutzutage wird der Kellner extra noch mal losgeschickt, wenn er die Stäbchen vergessen hat, also wirklich, beim Asiaten mit Gabel essen, das geht gar nicht, auf keinen Fall, die Blöße gibt man sich als Kosmopolit nicht. Aber jetzt kann man sich das Essen nach Hause liefern lassen, also man könnte es mit Deliverdora oder Foodooroo, wenn da nicht stehen würde: Lieferzeit 55 Minuten und wieso sollte man einem amerikanischen Start- Up Geld in den Rachen werfen, also fährt mein Mann doch schnell durch den Regen mit dem Fahrrad selber nach Vietnam und bringt gegrillten Lachs und Reis und Sushi und den ganzen Kram, er hat auch 55 Minuten gebraucht, aber dafür ist er heute wenigstens mal an die frische Luft gekommen bei dem Sprühregen. Wir setzen uns also an den Tisch und essen und was macht mein Mann, der sich im Restaurant immer und überall extra Stäbchen bringen lässt, sogar wenn wir Burger essen gehen, oder Lasagne oder Sauerkraut? Was macht er, wenn wir zu Hause sitzen und ihn keiner sieht?  Er isst seinen Entencurry mit dem LÖFFEL!!!!

    Oktober 15, 2016 • Text • Views: 271

  • Fahrraddiebe

    Seit dem Wochenende fühlte sie sich abgespannt und matt, sie lag nur noch im Bett und schlief und wenn sie wach war, scrollte sie liegend den Facebookstream zum 100. Male hinunter, ihr war übel, von dem ewigen Blau und dem Strom an Dummheit und so weiter, dem sie sich aber doch nicht entziehen konnte, weil sie gerade nichts zu lesen hatte. Die aktuelle Brand 1 hatte sie schon durch und dem Alice Munro Erzählband konnte sie nichts abgewinnen, also las sie Facebook und schlief dann wieder ein und hatte Fieber und Schnupfen und ihr war übel und dann las sie wieder Facebook und da hatte einer gepostet, er sei auf der Suche nach einem Kinderfahrrad für ein Flüchtlingskind in seiner Kita und sie ärgerte sich darüber, über so viele Aspekte, die sie an der Sache falsch fand, denn warum konnten sich die Flüchtlinge nicht selbst Fahrräder organisieren, aber das taten sie doch, dachte sie, indem sie Deutsche dazu aktivierten, ihre Gesuche auf Facebook zu posten. Eine Frau antwortete, sie hätte eines im Keller stehen, aber sie lebte in einer Stadt am anderen Ende Deutschlands und ob sich jemand für den Transport finden würde. Das ist so verrückt, dachte sie. Continue Reading

    Oktober 12, 2016 • Text • Views: 371

  • First World Problems

    Ich bin in letzter Zeit immer so müde. Deswegen bin ich neulich abend auch schon um 20 Uhr eingeschlafen, als mich um 22 Uhr das Geräusch einer eintreffenden SMS weckte. Ich habe einen zu leichten Schlaf. Eine Verwandte aus Schwaben, die gerade in Berlin zu Besuch ist, wollte mich morgen ab halb 12 auf einen Kaffee treffen.  Weil ich zu müde war, fiel mir keine Ausrede ein und warum eigentlich nicht? Kaffee trinken gehen ist immer gut, da komme ich mal von zu Hause raus. Ich bestellte sie um halb 12 in das Café an der Ecke.

    Also eigentlich ist es kein richtiges Café sondern so ein Kaffeeladen mit Self Service und Muffins und eigener Kaffeemarke. Ich bestelle da immer alle hin, weil die anderen Cafés hier auch alle so sind und das ist wenigstens in der Nähe. Dann konnte ich nicht mehr einschlafen, weil ich am nächsten Tag einen Termin hatte und ich musste mir den Wecker auf elf Uhr stellen und ich hatte keine Lust dahin zu gehen, weder auf dieses Café, noch darauf sie zu treffen.

    Sie kommt alle halbe Jahre nach Berlin und dann muss ich sie immer treffen und ihr das Neueste aus meinem Leben erzählen, als ob ich so eine Berlin- Seifenoper wäre und ich erfahre dann das Neueste aus Gilgichenheim. Continue Reading

    Oktober 7, 2016 • Text • Views: 418

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