August, 2015
Archive

  • Momentaufnahmen

    1.

    Zum Mittag grillt er uns bei 30 Grad acht mit Senf bestrichene Schweinekoteletts. Wir sind zu fünft. Er isst eins, sein Enkel isst eins und ich teile mir eins mit seinem Sohn. Die fünf die übrig bleiben, packe ich auf einen Teller und lege Frischhaltefolie drüber. Ich stelle den Teller in den zweiten Kühlschrank in der Kammer, auf die noch verpackten Würste, die es wahrscheinlich morgen Mittag oder morgen Abend geben wird. Was wird er denken, wenn er die Schweinekoteletts beiseite räumen muss, um an die Würste ranzukommen?

    (Auf dem Herd steht schon der Hase in Sauce, den er für heute Abend vorbereitet hat. Die Zikaden singen.)

    2.

    Auf dem Klo liegt die Illustrierte mit Natalie Portman auf dem Titelblatt. Natalie Portman- Ein ungeschminktes Porträt, wird versprochen. Ich blättere mich zu ihr durch. Es gibt fünf großformatige Fotos von ihr. Sie hat auf jedem Bild das gleiche Gesicht. Mit und ohne Hut. Im Kleid und von ganz nah. Immer der gleiche Blick. Geradeaus, die Lippen leicht geöffnet. Wäre es besser, sie würde schielen, mit zusammengepressten Lippen?

    3.

    Das Baby lässt mich kein Sudoku lösen.

     

     

     

     

     

    August 2, 2015 • Text • Views: 584

  • Keine Münzen

    Ich wollte etwas aufschreiben, da war ein Gedanke, irgendwas mit einem Mann in einem Garten, aber das war es nicht, was ich aufschreiben wollte.
    Ein Mann in einem Garten, das ist zu wenig. Aber ich hatte keine Hand frei, als mir die Idee kam, oder keinen Stift dabei, oder kein Papier, keine Zeit und keine Unterlage.
    Später schreibst du das auf, sagte ich mir, heute Abend, wenn endlich alle schlafen.
    Aber jetzt bin ich zu müde und die Idee ist schon lange vergessen, weggeschmolzen und begraben.
    Es sind noch andere Dinge passiert, konkretere, als eine Idee von einem Mann in einem Garten.
    Da war der Blick den mir dieses Mädchen zugeworfen hat, unendlich freundlich und süß, ich habe nicht schnell genug reagiert, nicht mal gelächelt, nur gedacht:
    Die ist behindert. Dann war sie schon vorbei, hatte den Blick abgewandt, enttäuscht?
    Ein paar Stunden später noch habe ich daran gedacht und dann entschieden, dass es nicht darauf ankommt, wie ich zurückgeschaut habe.
    Es kommt darauf an, dass sie mich so angeschaut hat und dass ich das bemerkt habe.

    Wir verachten den Mann der Cousine, weil er ein Arsenal- T- Shirt trägt, weil er in einem kleinen Haus in einer kleinen Stadt lebt und manchmal etwas lauter spricht.

    Wir verachten die Cousine, weil sie beim Essen nicht spricht und immer alles putzt.
    Und keiner weiß, dass ich einen roten String- Tanga trage, weil ich mal wissen will, wie das ist. Unangenehm. Der Tanga kneift und ich habe schlechte Laune, bis mir klar wird, dass es am Tanga liegt.

    Ich bin zu faul, das Buch zu suchen und darin das genaue Zitat: Aus dem Strom der Zeit lässt sichs nicht schreiben, man kann aus dem fließenden Metall keine Münzen prägen. Doderer hat das gesagt, in seinen Tagebüchern, aus denen man beinahe jeden Satz zitieren könnte.
    Aber wie soll man dann irgendwas aufschreiben, wenn man zu lange wartet, vergisst mans doch? Was solls. Dann präge ich eben keine Münzen. Oder ich präge sie später aus dem was übrig bleibt.

    August 1, 2015 • Text • Views: 719

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