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Kollwitzplatz, du kleine Hölle

Sie hatte Loki auf den Boden gesetzt und wühlte in der Lederschläppchen- Schublade nach Lederschläppchen.
Weil Loki alle paar Tage einen ihrer Schuhe verlor, kaufte sie die nur noch Second Hand.
Frigga von Rebensburg fühlte sich unwohl. Außer ihr, dem Kind und der Verkäuferin war niemand im Laden.
Es war still. Die Verkäuferin fragte nicht nach, ob sie ihr helfen könne und Musik gab es auch nicht.

Die böse Bitch

“Das Kind räumt Ihre Tasche aus.” Die schneidende Stimme der Verkäuferin durchschnitt die Stille wie ein messerscharfes Messer.
“Das macht nichts.” zischte Frigga zurück und ließ die Lederschläppchen zu Boden fallen.
Die waren eh alle zu groß, zu klein, zu rosa, zu blau. Dann blieb Loki heute eben barfuß.
Frigga wollte nichtgegenderte passende Lederschläppchen zum akzeptablen Preis. Maximal 30 Euro.
Sie packte das grüne Krokolederportemonnaie, ihr Telefon und die Schlüssel in den Arte- Beutel zurück,
schnappte sich Loki und verließ grußlos den “Püppibude- Kindersecondhand und mehr” Laden.

Der Hundefeind 

Draußen kläffte ihr Dackel Rocco. Als sie ihn losbinden wollte, baute sich ein muskulöser riesiger Bartträger der ein kleines Mädchen an der Hand hielt, vor ihr auf.
“Wissen Sie, dass ihr Hund mit seinem Gebell die ganze Straße terrorisiert hat? Seit zehn Minuten!
Die ganze Zeit, die Sie in dem Laden waren! Es ist schon überdumm, überhaupt einen Hund zu haben, und wenn das schon unbedingt in der Großstadt sein muss, dann lassen Sie ihn halt nicht allein, wenn er das nicht verträgt! Wir konnten unser Eis nicht in Ruhe essen!”
Frigga hatte Angst. Fast hätte sie gesagt: “Das ist nicht mein Hund.”
Aber sie setzte Loki in den Wagen, band Rocco ab und schaute dem Bartmann dabei die ganze Zeit starr auf den Bauch, um ihm ihre Missachtung zu zeigen.
Es funktionierte, wie immer.
Sie merkte, wie der Bartmann nachgab, an Kraft verlor, den Schwanz einzog, sich schämte.
Frigga war erleichtert. Eine Debatte über ihren Hund war das letzte, was sie jetzt brauchen konnte.
Die Großstädter wurden immer intoleranter.
Wer Tiere hasste, hasste auch Menschen.
Aber sie wollte jetzt nicht darüber nachdenken, es war einfach zu traurig.

Der teure Löwe
Im Schaufenster der Spielboutique “Alphatierchen” stand ein wunderschöner Plüschlöwe.
Loki sah ihn zuerst.
Sie zeigte drauf und rief: “Haben!”
“Warte kurz.” Frigga öffnete die Ladentür und fragte wie jeden Tag, nach dem Preis.
“183 Euro.”
“183 Euro für ein PLÜSCHTIER???” Friggas Stimme überschlug sich.(wie jeden Tag)
“Warum sagen sie MIR das???” empörte sich die Verkäuferin. (wie jeden Tag)
Frigga hörte es nicht. Sie knallte die Tür zu und eilte auf den Spielplatz.(wie jeden Tag)
Auch hier gab es wieder Intoleranz Rocco gegenüber. Sie musste ihn außerhalb an einen Baum binden. Wo er bellte.

Frigga macht Beute
Frigga legte Loki in den Sand und sich auf die Lauer.
Man hatte ihr hier vor kurzem am hellichten Tag Lokis neuen blauen Ball gestohlen und vor zwei Wochen Lokis weiße Wollstrickjacke mit den Holzknöpfen.
Als sie am Abend nach Hause zurückkehrte, packte sie stolz ihre Beute auf dem Teppich aus:
Eine neue rote “spielstabil” Schaufel, eine “Esprit”- Brille im Etui, einen kleinen blauen Eimer, eine lila Harke und eine hellblaue vertbaudet Jacke und einen leckeren Schluss für diese Geschichte.

Ein Gedanke zu „Kollwitzplatz, du kleine Hölle

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