• Im Theater gewesen. Geweint.

    Theaterfestival in Avignon. Wir gehen hin. “Karamazov” in dieser herrlichen französischen Schreibweise. Ich habe schon im Deutschlandfunk davon gehört. Der Spielort ist in einem ehemaligen Steinbruch. Er soll irrsinnig schön sein. Ich bestelle Karten im Internet. Da gehts dann schon mal los. Man kann die Karten nicht ausdrucken, soll aber die Bestätigungsemail ausdrucken und damit und dem Pass in Avignon zur Kartenabholstelle gehen und sie abholen, bis spätestens drei Stunden vor Vorstellungsbeginn. Oder man holt sie direkt am Spielort ab, muss dann aber 45 Minuten vorher dort sein. Das bringt uns in gewisse logistische Schwierigkeiten. Nach eingehender strategischer Besprechung fährt mein Mann nach Avignon, um die Karten zu holen. Er bekommt sie, obwohl er keinen Brief von mir vorweisen kann,dass er die Karten abholen darf. Ich versuche mir ein Szenario auszudenken, wo ein Mann seine Frau ermordet, dann mit ihrer Kreditkarte Theaterkarten bestellt und mit ihrem blutbeschmierten Pass, Karten für einen fünfstündigen Theaterabend abholt.

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    Juli 20, 2016 • Text • Views: 1

  • Wennwennwennwenn

    Wenn ich Politiker wäre, dann würde ich mir die Dinge anschauen, die gut funktionieren und dann würde ich die so lassen. Wenn etwas nicht gut funktioniert, dann würde ich gucken, warum und wenn sich dann herausstellt, dass es durch eine Korrektur noch schlechter funktionieren würde, dann würde ich es auch so lassen. Wenn etwas gar nicht mehr funktioniert, dann würde ich versuchen, eine provisorische Lösung zu finden, weil es endgültige Lösungen sowieso nicht geben kann. Dann würde ich gucken, was die Leute wollen und wenn sie etwas wollen, was langfristig auch für die Umwelt und die Allgemeinheit gut wäre, so was wie Fahrradwege zum Beispiel, oder Spielplätze, oder Gärten oder Kindergärten, dann würde ich das unterstützen. Wenn es aber um mehr Parkplätze, oder weniger Bäume oder neue Autobahnen ginge, dann würde ich das vielleicht nicht so unterstützen.

    Wenn ich Wissenschaftler wäre und ich hätte den Auftrag eine fiese Waffe zu erfinden, dann würde ich ein Superinsekt erzeugen. Eine Mischung aus Motte, Mücke, Fliege und Wespe. Es tritt in Schwärmen auf, knabbert Lebensmittel und Klamotten an, sticht und saugt Blut, wenn man es aber totschlagen will, dann sticht es mit dem Wespenstachel zu.

    Wenn ich Künstler wäre, dann würde ich versuchen, nicht zu viel Persönliches preiszugeben, andererseits das Persönliche auch
    nicht auszusparen. Ich würde Wahrheit mit Ironie paaren, wie mir das mal ein österreichischer Werbetyp geschrieben hat und so mache ich das ja auch.

    Wenn ich du wäre, wäre ich lieber ich, hat mein Kumpel Alexander Seidel mal gesagt. Ich weiß nicht, ob er sich das selbst ausgedacht hat, oder irgendwo gefunden, aber es passt ganz gut, finde ich.

    Juli 14, 2016 • Text • Views: 8

  • Definiere Deutschland 

    Ich war ein paar Tage auf dem Lande. Unser Haus steht ganz allein und wir sind dann einmal durch den Wald ins nächste Dorf gelaufen, Eis essen. Wenn man dann nach einer Stunde aus dem Wald herauskommt und die Dorfstraße betritt, hat man erst einmal Angst.  Ich mag das ja nicht so gerne im Dorf, wenn die Schäferhunde hinter den Zäunen hin und her rennen und bellen. Ich kann nicht verstehen, warum sie nicht einfach über den Zaun springen und beißen, wenn die Anwesenheit von Menschen auf der Straße sie so in Rage bringt. Aber keiner bellte und die ersten drei Häuser fand ich noch süß. Der gestutzte Rasen. Die gestutzten Hecken. Die Sitzgruppen aus braunem Plastik. Die Deutschlandfahnen. Klar. Wir sind Halbfinale. Die deutsche Mannschaft kann jede Unterstützung gebrauchen. Beziehungsweise: das Deutschsein kann jede Unterstützung gebrauchen. Anders gehts ja nicht. Anders dürfen wir ja nicht mehr. An jedem, wirklich jedem Gartentor im Dorf hing so ein Schild mit Hundekopf.  Continue Reading

    Juli 8, 2016 • Text • Views: 24